Bildung in Zeiten geringerer Ressourcen

Hamburg ist eine reiche Stadt. Die Bildungsausgaben sind pro Kopf der Lernenden die höchsten in Deutschland. In den letzten Jahren wurde mit viel Geld sinnvolle Bildungsprojekte auf den Weg gebracht, wie die Initiativen ‚Gute Inklusion‘ oder ‚Guter Ganztag‘. Das brachte Hamburg im Bundesländer-Ranking auf die vorderen Plätze, auch wenn in absoluten Zahlen Hamburg nicht so viel schlechter geworden ist wie andere Bundesländer, siehe aktuelle PISA-Ergebnisse. Das war aus Hamburger Sicht erfreulich, kann aber noch nicht zufrieden stellen.

Jetzt gehen die Steuereinnahmen auch in Hamburg zurück, und alle Ressorts der Stadt müssen in der Haushaltsplanung Einsparungen vornehmen. Die Umstrukturierung der Schulbegleitung, die kurz vor den Sommerferien bekannt wurde, hat einen Vorgeschmack dafür gegeben und eine breite Protestwelle ausgelöst. Demonstrationen liefen vor das Rathaus, Verbände formulierten Protestbriefe. Jeder Teilbereich des Bildungswesens prangerte, mit Blick auf das eigene System mit Recht, die Sparmaßnahmen in seinem Bereich an.

Nun sollte man fragen, ob der Bereich Bildung von Sparmaßnahmen ausgenommen werden sollte, ähnlich wie es für den Wehrbereich gilt. Bildung ist eine Investition in die Zukunft, Kürzungen würden später Kosten im Sozialbereich oder in einer weniger leistungsfähigen Wirtschaft, z.B. im Fachkräftemangel, erzeugen. Sollte die Bildung von der Schuldenbremse ausgenommen werden, genauso wie der Wehretat? Ich denke: Ja.

Ich möchte aber noch einen weiteren Aspekt aufmachen: Bildungssysteme sind sehr komplexe Systeme, die sich in den letzten Jahren um viele neue Aufgaben widmen mussten: Inklusion, Integration von Flüchtlingen, psychischen Belastungen der Lernenden in und nach der Corona-Krise, Herausforderung des Lernens durch künstliche Intelligenz. Die Aufgaben sind für die einzelnen Schulen sehr herausfordernd, gleichzeitig wurden die Bildungspläne vor kurzem neu aufgelegt und viele neue Inhalte und Ansprüche hinein formuliert. Auch organisatorisch wurde das System immer komplexer: Einerseits bleibt das System traditionell organisiert nach Fächer und Stundenplan, mit einer nach Fächerlogik ausgebildeten Lehrenden, einem starren System mit Jahrgangsstufen und festen Übergangsterminen: In Jahrgang 4 in die weiterführende Schule, in Jg. 10 in die Ausbildung oder die Oberstufe. Der Ruf nach Multiprofessionellen Teams, die alle Probleme lösen sollen, scheinen in diesem unübersichtlichen System kaum zu funktionieren.

Wären die Sparzwänge nicht ein Anlass, über die Flexibilisierung und Verschlankung des Systems nachzudenken? Sollten wir nicht der Frage nachgehen, wie ein Bildungssystem in Zeiten geringerer Ressourcen aussehen kann? Dabei darf es nicht um ein Absenken der Qualität gehen, diese müsste in vielen Bereichen eher angehoben werden, siehe PISA-Ergebnisse. Da man vermuten kann, dass die Ressourcen auch in den nächsten Jahren fehlen werden, stelle ich mir die Frage, ob die Effizienz des gesamten Systems überprüft werden sollte. Dabei muss das System auch als ganzes betrachtet werden, nicht nur aus der Perspektive eines einzelnen Teilsystems, z.B. Gymnasium, Stadtteilschule oder Primarschule. Das was für den Ressourcen-Einsatz auch jetzt schon gilt, sollte auch für Einsparungen gelten: Die Schwächsten im System sollten weitestgehend von Sparmaßnahmen ausgenommen werden, z.B. Schulen mit einem niedrigen KESS-Faktor.

  • Wie können die Lerninhalte, die Bildungspläne, verschlankt werden, damit ein inhaltlich tieferes Lernen möglich wird?
  • Wie kann die Menge an Klausuren und Lernüberprüfungen reduziert werden, damit mehr Zeit zum eigentlichen Lernen da ist?
  • Wie können im nichtpädagogischen Bereich Prozesse effektiver organisiert werden?

• • Wie kann die Verwaltung in der Bildung verschlankt werden?

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