Wenn man eine neue Lerngruppe bekommt…

Neues Jahr, neue Lerngruppen. Ab dem neuen Jahr bekomme ich die 7d in Gesellschaft zugeteilt, drei Stunden Politik, Geografie und Sozialkunde. 

Was ist zuerst zu tun aus moderner digitaler Sicht? 

Handys auf den Tisch. Schluss mit dem Geklickere unter dem Schultisch. „Ich wollte nur nach der Uhrzeit sehen“, blöde Ausrede. Smartphones gehören zum Leben und Lernen dazu, aber richtig angewendet. Also gilt die Regel: Zwischen Klingeln und Klingeln der Stunde wird das Smartphone nur lernbezogen eingesetzt, und zwar offen und nicht versteckt. 

Ungläubiges Gegrunze unter den SchülerInnen. Ich will nicht kontrollieren, ich gebe Vertrauen. Ich vertraue darauf, dass sie in der Lernzeit zwischen den Klingeltönen ihr Smartphone nur für das Lernen einsetzen. Vertrauen gegen Vertrauen. Schließlich sollen sie sich auch youtube Videos im Unterricht anschauen können, das geht auch mit dem Smartphone. 

Welche Lernformen sind sehr beliebt in der Klasse? Portfolio? Noch nie gehört. Aber Partnerarbeit ist gerne genommen. In der siebten Klasse ist die soziale Komponente sehr wichtig. Stationenlernen ist eher unbeliebt. Da muss man ja alleine arbeiten. Ich mache eine Linienaufstellung zu verschiedenen Fragestellungen, um die Klasse und ihre Vorlieben kennen zu lernen. Wer sie gut findet, nach links, wer nichts davon hält, nach rechts.

Dann der Email-Check. Haben alle ihre Accounts für iServ? Wir benutzen an der Stadtteilschule Niendorf den Portalserver iSurf für die Organisation der Arbeit. Die Rundmails an die Klasse sollen auch alle erreichen. Morgen den Atlas mitbringen! Fünf SchülerInnen haben ihr Kennwort vergessen. Also Liste erstellen, Kennwort zurücksetzen und Neustart. Computerraum gebucht, mit allen Schülern rein und alle auf den Stand der digitalen Erreichbarkeit setzen. 

Und was mit denen, die alles schon klar haben? Anmelden bei der Lernplattform. Ich habe schon den Klassenraum „Gesellschaft 7d 16“ eingerichtet, die SchülerInnen melden sich mit dem Kennwort an, und können dann auf alle Aufgaben zugreifen. In Hamburg steht allen SChulen und den Universitäten die Lernplattform „schulcommsy“ kostenlos zur Verfügung. 

Alle Aufgaben stelle ich auf der Lernplattform im Klassenraum unter den Reiter „Aufgaben“. Gleichzeitig drücke ich die Aufgaben aus, lege sie analog in einen Ablagekasten. Ich arbeite digital und analog zugleich. Das beste aus beiden Welten. Die Aufgaben bekommen aber nicht mehr alle per Kopie, es gibt nur einige Kopien im Klassenraum zur Ansicht. Aufgaben kann man sich schließlich auch merken. 

Alle SchülerInnen können jetzt in ihrem eigenen Tempo lernen. Ich habe Aufgaben für die nächsten drei Wochen in die Lernplattform gestellt. Jetzt kann ich mich um die Inklusionskinder kümmern. Brauchen sie einfachere Aufgaben? Ja klar, einfachere Texte, mehr Hilfestellungen. Also füge ich den Aufgaben Tipps und Hilfestellungen hinzu, auch auf der Lernplattform. 

In jeder Doppelstunde buche ich 6 MacBooks für die Klasse. Die müssen herumgereicht werden. BYOD – ich fordere die SchülerInnen auf, ihre eigenen Geräte mitzubringen. Ich bin gespannt, wie weit sie es schaffen, eigenes Material in die Schule mitzubringen. Digitale Geräte dienen der Differenzierung. JedeR arbeitet so schnell er/sie kann. Die neuen Aufgaben stehen ja schon bereit. Digital und analog als Kopie. Ich habe zwei Computerexperten für die Klasse bestimmt. Die starten den Klassencomputer, eine MacMini, am Anfang der Stunde und holen die Funktastatur und -Maus aus dem Schrank. Ich melde mich beim Klassenraum Schulcommsy an und die aktuellen Aufgaben erscheinen auf der Leinwand. Jeder Schüler kann schauen, wie weit er/sie schon ist. 

Sind die ersten Lernergebnisse vorhanden, kommt das Wiki ins Spiel. Her werden alle Lernergebnisse gesammelt. Es geht um die Erde als Planet im Sonnensystem. Wie entstehen die unterschiedliche Tageslängen  im Sommer und im Winter, wie entstehen die Jahreszeiten? Wer diese Fragen herausbekommt, schreibt sie in das Klassenwiki. Das Wiki ist ein Plugin zu dem Klassenraum auf Schulcommsy. Das Wiki zeigt alle Ergebnisse des Lernens der Klasse. Das Wiki beginnt in der Regel mit einem Glossar, da viele Fachbegriffe gelernt werden müssen. Die Einträge können auch hier wieder differenziert erfolgen, entweder gleich in der Schule über die MacBooks, oder zu Hause über den eigenen Computer. 

Die schnell lernenden SchülerInnen sind frei, in ihrem Tempo zu arbeiten. Sie müssen nicht mehr warten, bis alle in der Klasse so weit sind. So wird niemand behindert. Wer mit einer Aufgabe fertig ist, holt sich die nächste. JedeR Schüler bekommt eine Aufgabenlisten zum Abhaken und zur Übersicht, wie weit man ist. 

In jeder Doppelstunde gibt es eine Klassen-Gesprächsrunde. Hier werden die Inhalte besprochen, vertieft und wiederholt. Nach einer Gesprächsrunde werden die Wissens-Tests geschrieben. Damit kann ich mir einen Überblick über den Lernfortschritt der Klasse verschaffen. Wer noch nicht so weit ist, kann den Test verschieben. 

Langsam werde ich Schweigezeiten beim Lernen einführen. Erst wenige Minuten, dann immer länger. In der siebten Klasse ist das souziale Miteinander wichtiger als das Lernen. Das ist ganz normal und nicht beunruhigendswert. Trotzdem können Schweigezeiten die Konzentration verbessern. In dieser Zeit darf nicht geredet werden, das gilt auch für mich als Lehrer. Das fordert auch von mir eine große Portion Konzentration, da nicht nur Schüler gerne reden, sondern auch Lehrer. 

Ich bin gespannt wie sich das Lernen in der neuen Gruppe entwickelt. 

MOOCs in der Schule?

Die werkstatt.bpb hat in den Sommerwochen sich mit dem Thema „MOOCs“ beschäftigt.

https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/211475/fazit-moocs-und-e-learning-2-0

Ich probiere ja schon seit längeren aus, wie man in der Schule selbstständige Lernformen und selbstwirksameres Lernen fördern kann. Und frage mich auch, ob MOOCs dabei helfen können.

MOOCs kommen ja aus dem universitären Bereich und ermöglichen durch verschiedene Internetressourcen die Teilnahme an Onlinekursen von außerhalb der Universität. Sie sind offen für jeden und verlangen eine hohe Eigenmotivation, um sie durchzuhalten.

Schule scheint das Gegenteil davon zu sein. Schule ist ja gar nicht offen: Die Lernenden sind in Klassen, Stundenpläne, Kurse, Fächer und Inhalte hineingesetzt, ohne selbst etwas bestimmen zu können. Diese Fremdbestimmung prägt die Lernkultur in der Schule. Wie kann man da etwas öffnen?

Vielleicht geben Online-Kurse ja die Möglichkeit, das Lernen in der Schule etwas selbstbestimmter und selbstwirksamer zu machen. Es ist  ja mittlerweile allseits anerkannt, dass sich Können und Wissen nachhaltiger bildet, wenn es selbstbestimmt erarbeitet wurde.

Ich versuche den Lernenden in „Lernplänen“ einen Überblick über ihre Lernmöglichkeiten zur Erarbeitung eines Thema zu geben. LehrerInnen nennen das meist „Unterrichtseinheiten“. Die Lernenden können dann in ihrem eigenen Rhythmus und Tempo die Lernaufgaben bearbeiten, wann und wo sie wollen. Das kann in den Lernstunden in der Schule sein, in den Studienzeiten im Stundenplan, zu Hause oder im Park. Die Lernpläne enthalten Einzelaufgaben, Partner- und Gruppenaufgaben, Puzzleaufgaben und Kreativaufgaben sowie Aufgaben zum Füllen unseres wikis und zu Diskussionen im blog. Mein Job als Lehrender ist es, für die vielfältigen Zugänge und Lernmöglichkeiten zu sorgen, Diskussionen anzuregen, Wiederholungen und Vertiefungen zu organisieren.

Ich arbeite zweigleisig: analog und digital. Die Lernpläne bekommen die SchülerInnen ausgedruckt, sie stehen auch auf der Lernplattform der Klasse. Das erarbeitete Wissen wird im Themenwiki gesammelt und Diskussionen finden im Klassenblog statt. Die Aufgaben aus den Lernplänen werden zu Hause und auch in den Lernstunden in der Schule bearbeitet. Klassische „Hausaufgaben“ erteile ich nicht mehr. Der Schwerpunkt in den Lernstunden in der Schule liegt auf dem Verarbeiten, Diskutieren, Vertiefen sowie auch das Überprüfen der Lerninhalte. Dabei spielen kooperative Lernformen eine große Rolle. Interessant wäre eine Ausweitung der Diskussionen über den Klassenraum hinaus zu anderen SchülerInnen und Schulen.

Meine SchülerInnen springen auf die Möglichkeiten des digitalen Lernens noch nicht so richtig auf. Für sie ist das schön geschriebene Heft mit den eigenen Inhalten wichtiger als eine kollektive Sammlung wie in einem Wiki. Vielleicht ist es das unbewusste Gefühl, was man im eigenen Heft geschrieben hat, besitzt man wirklich selbst. Wahrscheinlich spielt die jahrelange analoge Lernsozialisation auch eine große Rolle. Das digitale Gerät, was alle benutzen, ist das Handy. Damit werden Buchseiten abfotografiert, damit man nicht das schwere Buch mit nach Hause schleppen muss. Wenn es Handy-Apps für meine Wikiseiten gäbe, würden sie sicher mehr genutzt werden.

Wie könnten also die Perspektiven an der Schule aussehen:

  1. Die Lernbausteine einer Unterrichtseinheit werden online zur Verfügung gestellt. Dabei kann man entscheiden, ob sie nur der eigenen Lerngruppe, der Schule oder im www verfügbar ist.
  2. Der Kurs hat einen Anfang und ein Ende. Er wird durch die Lernperson begleitet, kann aber auch nach den Kursterminen selbstständig wiederholt werden. Das kann für Lernende, die krank sind, wichtig sein. Aber auch für SchülerInnen, die mal einen „Hänger“ haben, gibt es die Möglichkeit, Inhalte nachzuarbeiten.
  3. Man kann andere Klassen der eigenen oder anderer Schulen zu Diskussionen einladen. Diese Diskussionen können über einen Blog geführt werden und müssen nicht unbedingt in Echtzeit stattfinden.
  4. Es werden Zwischentests und andere Lernnachweise erstellt.

Mein Fazit bis hierher:

Elemente aus MOOCs könnten das schulische Lernen ergänzen und bereichern:

  • Das Öffnen, d.h. das zur Verfügungstellen aller Lernmaterialien und Aufgaben online. Ein „ich habe das Arbeitsblatt nicht gekriegt“ gehört der Vergangenheit an. Das gibt den SchülerInnen auch mehr Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess.
  • Das Online Arbeiten ist eine Ergänzung und Erweiterung der Möglichkeiten des klassischen analogen Lernens im Klassenraum. Das gibt besonders SchülerInnen, die sich ungern an Klassengesprächen beteiligen, einen Teilnahmekanal.
  • Die Demokratisierung: Durch das Onlinestellen aller Lernmaterialien verringert sich die Abhängigkeit der SchülerInnen von der jeweiligen Lehrperson. Trotzdem bleibt die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden ein wichtiger Faktor für erfolgreiches Lernen. Monika Heusinger weist auf die Bedeutung der Lernautonomie hin.

Ich freue mich auf spannende Diskussionen

Hier noch einige weiterführende Links:
bit.ly/moocis13 Hashtag: #MOOCiS http://monika-heusinger.info/blog/moocs

Selbstständiges Lernen mit Arbeitsplänen

Schüler_innen in Aktivität bringen, das ist in vielen Unterrichtsstunden ganz schön schwer. Sie erwarten motiviert, unterhalten, ermahnt zu werden. Der Antrieb zum Lernen kommt in der Schule meist von außen.
Ich möchte dieses „von-außen-motivieren“ gerne umdrehen, weil ich glaube, dass sich die Lernwirksamkeit erhöht. Ich mache mir allerdings auch keine Illusionen, dass für alle Dinge, die gelernt werden, eine intrinsische Motivation aufzubauen ist. Trotzdem sagen mit Schüler_innen immer wieder, wenn sie selbstbestimmt lernen können, haben sie mehr Spaß und sind postiver eingestellt.
Um ein selbstbestimmteres Lernen zu ermöglichen, arbeite ich seit einiger Zeit mit Arbeitsplänen. Das sind Listen von verschiedenen Aufgaben, mit denen sich die Schüler_innen ein Thema erarbeiten können. Sie beinhalten alle Aktivitäten des Lernens, in den Stunden wie auch den Hausaufgaben. Die Schüler_innen bearbeiten die Arbeitspläne selbstständig und in eingenem Tempo. Ich achte darauf, dass die Aufgaben eines Arbeitsplanes sehr abwechslungsreich sind. Übungsaufgaben in Einzelarbeit gehört genauso dazu wie die Diskussion in einer Dreiergruppe. Für mich als Aufgabengestalter hat ein Arbeitsplan auch den Vorteil, dass ich verschiedene Zugänge zu einem Thema ermögliche und eine große Bandbreite an Methoden bereit stelle.
Die Arbeitspläne werden zu einem bestimmten Zeitpunkt abgegeben, sie werden in das Abgabefach in der Klasse gelegt. Ich bewerte die Bearbeitung quantitativ: Man bekommt einen „Haken“, wenn man den AP vollständig abgegeben hat. Ich finde, dass das Erarbeiten eines Themas ein bewertungsfreier Raum sein sollte, in dem es keine Sanktionen nach sich zieht, wenn man Fehler macht. Hier sollten Fehler bewusst möglich sein.
Am Anfang meiner zwei Jahre in der Profilklasse Mensch-Welt in der 12 und 13. Klasse gab es viel Wiederstand gegen die Arbeitspläne. Es gab Abstimmungen im Klassenrat zur Abschaffung von Arbeitsplänen. Eine Zeitlang habe ich dann wieder Einzelaufgaben gestellt. Den Schüler_innen war es sehr lästig, selber für ihre Lernarbeit zuständig zu sein. Zum Abschluss der Klasse hatte sich das Meinungsbild aber gewandelt. Man schätzte die selbstständige Arbeitsform und das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben, wenn ein Arbeitsplan beendet wurde. Bei Einzelaufgaben verschwand der Erfolg im großen Strom der täglichen Aufgaben.
Ich sehe mich mit den Arbeitsplänen auch in Einklang mit Herrn Hattie, der der Direkten Instruktion eine hohe Wirkungsmächtigkeit zugeordnet hat. Lernerfolg hängt an guten Aufgaben und daran, dass die Schüler_innen wissen, was von ihnen verlangt wird. Direkte Instruktion darf ja nicht als Aufforderung zum Frontalunterricht alter Prägung missverstanden werden.
Manchmal arbeite ich auch mit Forschungsplänen, in denen die Aufgaben für eine ganze Unterrichtseinheit aufgelistet sind. Hier ist der Selbstständigkeitsgrad nicht so hoch, aber fehlende Schüler_innen haben eine gute Möglichkeit, versäumte Aufgaben nachzuholen.
Wenn Schüler an ihren Arbeitsplänen arbeiten, mache ich keine Pause. Ich stehe dann zur Unterstützung und Hilfe zur Verfügung. Und Arbeitspläne schließen ja Diskussionen, kooperative Lernprozesse und auch Lehrervorträge nicht aus. Ich sehe sie als einen guten Beitrag zu einem schülerzentrierten Lernsetting. Gute Arbeitspläne enthalten immer eine freie Zeile, in denen sich die Schüler_innen eine selbstgestellte Aufgabe geben. Geoökosys APs Gletscher
Forschungsplan Klima 11

Forschungsauftrag Fahrrad

Seit einiger Zeit arbeite ich mit meinen SchülerInnen im Physikunterricht mit Forschungsaufträgen. Ich möchte damit das selbstständige forschende Lernen fördern. Außerdem versuche ich das Lernen „umzudrehen“, d.h. ich gebe nicht mehr kleinschrittige Aufgaben vor, sondern die SchülerInnen bekommen eine Forschungsfrage und ich helfe ihnen, diese Frage zu lösen. Meine Aufgabe besteht dann darin,

  • impulsgebende Inputs zu machen
  • die Arbeit zu strukturieren
  • zu ermutigen, sich an die Arbeit zu machen (Schüler haben immer Angst, etwas falsch zu machen)
  • Tipps und Hilfestellungen zu geben.

Zu jeder Forscherfrage gehört eine feste Struktur:

  • Physikalische Größen und Begriffe müssen in einem Steckbrief erklärt werden
  • Es muss ein Versuch durchgeführt und protokolliert werden
  • Ein Informationstext zur Forscherfrage wird erstellt
  • Messwerte werden genommen und berechnet
  • Grafiken und Fotos werden erstellt

Die Kommunikation zu den Forschungsaufträgen läuft über unsere Lernplattform (Schulcommsy.de). Alle Aufgaben und Links sind hier verfügbar. Auch hier gilt die „Umkehrung“: Alles ist online verfügbar, die Schüler müssen es selbstständig nutzen, wann auch immer. Da gibt es auch keine Ausrede mehr, ich war krank oder habe das Arbeitsblatt nicht erhalten.

Dadurch ist für die SchülerInnen diese Methode doch etwas gewöhnungsbedürftig. Sie müssen sich erstmal aus der Rolle des Lernkonsumenten in den Lernkonstrukteur hineinfinden. Es verlangt auch eine höhere Aktivität von den Schülern, auch nicht immer gern gesehen bei den jungen Leuten.

Aber ich erfoffe mir langfristig eine höhere Motivation zum Lernen, weil die Selbstwirksamkeit größer ist. Man erstellt ein eigenes, individuelles Produkt, da vorgezeigt werden kann. Das Internet unterstützt dabei das Lernen sehr gut.

Hier der Forschungsauftrag Fahrrad.

 

 

Forschungsauftrag „Fahrrad Vers3

OER – Open Education Ressources: Haben wir in der Schule darauf gewartet?

OER – Ein neues faszinierendes Kürzel für gemeinschaftlich erstellte, offene Lerninhalte. Kein Herumschlagen mehr mit Urheberrechtsverletzungen, freie Weiterverarbeitung in Arbeitsblättern und Lernplattformen, ein Wikipedia für die Schule. Haben wir in der Schule darauf gewartet?

Das digitale Lernen bietet viele neue Möglichkeiten und Chancen. Schulbücher scheinen bei den SchülerInnen „out“ zu sein, uncool und fremdgesteuert („Hausaufgabe ist das Rechnen der Blöcke 4a-f auf Seite 164 im Mathebuch“). Die OER Diskussion umfasst den Diskurs darüber, wie wir mit Inhalten in der digitalen Lernwelt umgehen. Und dieser Diskurs kann spannend sein. Trotzdem ist zu beobachten, dass die Diskussion über OER haußtsächlich ausserhalb der Schule geführt wird.

Trotzdem frage ich mich, ob das das zentrale Problem in der Schule ist, das Problem von LehrerInnen und SchülerInnen. Es mangelt den Schulen ja nicht an Inhalten. Ich sehe das Problem eher darin, dass die Bedeutung von Inhalten in der Schule viel zu schwer wiegt und der Prozess, das „WIE“ des Lernens, zu sehr im Hintergrund liegt. Gymnasiasten werden durch das G8 gejagt, Inhalte und „Stoff“ muss „durchgenommen“ werden, Lehrpläne abgearbeitet, und in der Oberstufe wundert man sich dann, was die SchülerInnen alles nicht können.

Kann dieses Problem durch OER gelöst werden?

OER hat nur eine Chance, wenn es das „WIE“ des Lernens, die Lernkultur, mit verhandelt. Es kann bei OER nicht nur um die digitalte Bereitstellung von Inhalten gehen, sondern OER muss auch eine Weiterentwicklung der Lernkultur ermöglichen. Diese Lernkultur müsste folgende Eckpunkte haben:

* Potentialentwicklung: Von dem Können der Lernenden ausgehend und bestärkend
* Kooperativ und kollaborativ: Lernen ist eine soziale Angelegenheit und in der Gemeinschaft nachhaltiger
* Autonome Lernformen: Eine Lernkultur unterstützt die Bedürfnisse der Lernenden nach Autonomie
* Produktorientiert: Durch das Lernen und den Lernprozess entstehen schöne Produkte
* Erfahrungen: Lernen ist mehr als nur Wissen anhäufen. Erfahrungen machen ist ein wichter Faktor für erfolgreiches Lernen
* Rückmeldung und Begleitung: Lernen braucht Begleitung durch Experten (in der Schule die LehrerInnen). Die Rückmeldung zum Lernprozess darf sich nicht nur auf das Wissen (Noten) beziehen. Sie soll eine Beschämung der Lernenden vermeiden.

Wenn OER in der Schule eine Chance haben soll, dann müssen die LehrerInnen mit ins Boot geholt werden. Es muss deutlich werden, wie OER die Gestaltung von Lernsituationen von LehrerInnen erleichtert. Sonst sind die anderen Aufgaben in der Schule, die in den letzten Jahren dort hineingetragen wurden, wie

* Inklusion
* Übernahme von Erziehungsaufgaben von der Familie
* Ganztagsschule
* hoher Leistungsdruck auf SchülerInnen

nicht zu bewältigen.

Potentialentfaltung in der Oberstufe?

Zentralabitur in allen Fächern in Hamburg.

Das erste Mal wird es zentrale Aufgaben im Abitur 14 in (fast) allen Fächern geben. Muss man in einer solchen Situation nicht seine Schüler nur auf diese Klausuren vorbereiten? Nur noch „learning for the test“?

Nein, ich meine im Gegenteil. Weil wir Lehrer nun auch die Aufgaben nicht kennen, müssen wir die SchülerInnen auf breiter Basis darauf vorbereiten, Probleme zu lösen. Das geht nur, wenn sie das Vertrauen darin haben, was sie können. Sie sollten in der Oberstufe also gelernt haben, ihre Potentiale zu entfalten. Nur Wissen anzuhäufen, scheint mir zu kurz gesprungen. Gerade bei den Themen, die in meinem Fach Politik-Gesellschaft-Wirtschaft ausgeschrieben sind, ist die Informationsmenge so groß, dass man eigentlich gleich kapitulieren kann.

Ich glaube, dass man die Potentiale der SchülerInnen fördert, in dem man das Lernen stärker in die Selbstverantwortung der Lernenden legt. Man sollte Lernangebote bieten, die eine offene Lösung ermöglichen. Keine fertigen Lösungen vorgeben, sondern Lernaufgaben so stellen, dass eine aktive und kreative Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand möglich wird.

Weniger ist manchmal mehr: Wenn wir nur Inhalte „durchprügeln“, kommt die Potentialentfaltung zu kurz. Diese braucht auch Zeit für Planung und Strategie, genauso wie Zeit für die Reflexion. Die Reflexion scheint mir ein zentrales Instrument für die Potentialentwicklung zu sein.

Ich halte deshalb auch im Abiturjahr an der Arbeit an Semesterprojekten fest. In diesen Projekten können die Schüler weitgehend selbstbestimmt Themen bearbeiten. Ich als Lehrer gehe in die Rolle des Prozessbegleiters. Meine Schüler haben sich sogar gewünscht, die Bedeutung in der Notenbepunktung noch zu verstärken, weil sie gerne viel Arbeit in die Semesterprojekte investieren.

Beispiele für Semesterprojekte finden sich hier:

http://blogs.hamburg.schulcommsy.de/276082_3264314/2013/08/04/semesterprojekt-gentrifizierung-in-hamburgs-stadtteilen/

 

„Ich bin superwichtig“? wirklich?

http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning

Der Lehrer – und die Lehrerin – sind die entscheidenden Faktoren für ein erfolgreiches Lernen, lese ich in dem ZEIT-Artikel über den neuseeländischen Bildungsforscher John Hattie. Internetbasiertes Lernen schadet nichts – bringt aber auch nichts. Nun habe ich in letzter Zeit versucht, mich als zentralen Akteur des Unterrichts zurückzunehmen und versucht, den SchülerInnen Raum und Hilfen für das selbstständige Lernen an die Hand zu geben. Und dazu habe ich auch noch die Tools des Web 2.0 benutzt.

Alles falsch gemacht? Bei näherer Überlegung sehe ich aber gar nicht mehr so viele Widersprüche zu den empirischen Erkenntnissen aus den Studien von Hattie. Zwar hat Hattie ein Ranking zur Wirksamkeit von Lernmethoden aufgestellt, aber entscheidend bleibt doch der sinnvolle Methoden-Mix. Und da hilft die Bewertung von Hattie wirklich weiter. Die für die Lerngruppe sinnvolle Auswahl von Lernmethoden und die individuelle Anpassung an die einzelnen Schüler verlangt die Kunst des Lehrers und der Lehrerin. Und hier hat der Satz aus dem ZEIT-Artikel seine Richtigkeit: „Auf den guten Lehrer kommt es an“. Die geschickte Kombination aus verschiedenen Zugängen zum Lernen inszeniert die Lehrperson. Sie bietet ein breites Repertoir an Lernmöglichkeiten an. Sie gibt Feedback und bestärkt und lobt bei den Lernfortschritten. Und sie weiß um die Wirksamkeit von den Lernmethoden. In diesem Sinne muss der Lehrer „gut sein“.

Was an unseren Schulen wirklich fehlt, ist die offene Diskussion der Qualität von Unterricht und Lernsituationen. Die meiste Zeit wird über Inhalte gesprochen – und was die Schüler nicht gelernt haben. Fast nie wird über die Qualität von Unterrichtsarrangements und Lehrerhandeln gesprochen. Jeder steht allein in der Klasse. Kollegiale Hospitationen scheinen bei dem eng getackteten Stundenplan kaum möglich. Und wir haben kaum Instrumente, unser eigenes Handeln zu reflektieren und auszuwerten.

Hier sehe ich die große Chance: Lasst uns über Qualität des Lernens an der Schule sprechen. Welche Dinge befördern das Lernen, welche behindern sie? Wie können wir unser eigenes Handeln verbessern, wie können wir als Organisation besser werden? Woran können wir erkennen, ob wir gut sind und wo wir uns verbessert haben?

»Ein guter Lehrer sieht den eigenen Unterricht mit den Augen seiner Schüler«, sagt Hattie.