Klausuren am Computer schreiben?

Klausuren am Computer schreiben? Und dabei noch Internetzugang haben? Eine Bastion des deutschen Bildungstums, die handschriftliche Klausur, gerät in Gefahr? Klausuren sind vergleichbare Lernnachweise, die von allen Schülern zur gleichen Zeit unter gleichen Bedingungen geschrieben werden, damit eine objektive Vergleichbarkeit zwecks Leistungsranking möglich sei.

Ist das noch zeitgemäß? Kein Mensch würde sich heute in einem professionellen Zusammenhang eine Präsentation, ein Meeting, ein Thema vorbereiten, ohne vorher ins Internet zu schauen. Die meisten Vorberitungen würden am Computer entstehen. Da frage ich mich, warum Klausuren in der Schule immer noch per Hand geschrieben werden. Ich wollte es ausprobieren, und ermöglichte meinen Schülern der 12 Klasse das Schreiben einer Klausur im Fach Politik in einer Textdatei. Sie hatten über die Schulcomputer Zugang zum Internet, und dadurch auch Zugang zu unserem Lernraum, in dem die Wikis zum Thema abgelegt sind. Nach Fertigstellung der Klausur luden sie ihre Datei im virtuellen Lernraum hoch.

Die Grundidee besteht darin, dass es in einer Klausur nicht um (auswendig) gelernte Inhalte geht (die natürlich trotzdem nötig sind), sondern um zu zeigen, ob man politische Ideen und Konzepte darstellen, vergleichen und bewerten kann. Dieses sind Kompetenzen, die man nicht einfach aus dem Internet abschreiben kann. Die Schüler waren aufgefordert, die Ideen von klassischen politischen Konzepten (wie z.B. John Locke, siehe Bild, http://commons.m.wikimedia.org/wiki/File:John_Locke.jpg)

Ich habe  jetzt fast alle Klausuren durchgesehen. Mir ist aufgefallen, dass fast alle 4-5 Seiten geschrieben haben. Die Texte sind besser strukturiert als die handschriftlich geschriebenen. Das scheint mir auch logisch, da man in einem Textprogramm ja noch während des Schreibprozesses noch strukturieren, umstellen und ergänzen kann. Für mich ein klarer Vorteil für die Arbeit am Computer.

Es scheint mir auch, dass die Verwendung der fachlichen Begrifflichkeit sicherer ist. Benutzte Fachbegriffe kann man mit Internetzugang noch nachschlagen und sie in ihrer Bedeutung sicherer anwenden. Trotzdem bleibt in einer Klausur nicht die Zeit, unbekannte Begriffe zu recherchieren. Die Schüler müssen schon auf dem aufbauen, was sie gelernt haben.

Was mich verwundert hat, ist dass Schüler mit einer schwachen Rechtschreibung ihre Fehlerzahl nicht reduzieren konnten. Trotz einer Rechtschreibüberprüfung, die ja WORD bietet, konnte bei einigen Schülern die Qualität nicht verbessert werden. Die Gründe dafür habe ich noch nicht ergründet.

Gerade Jungen haben öfters keine fließende Handschrift und tun sich schwer mit langen Texten, die ja in Klausuren erwartet werden. Hier kann das Schreiben am Computer eine Erleichterung sein.

Bei dem Blick auf die inhaltliche Qualität muss ich feststellen, dass die Nutzung des Internets nicht automatisch eine Verbesserung darstellt. Was man vor der Klausur nicht kann, wird man auch nicht während der Klausur im Internet nachlesen können. Die Kompetenz der sprachlich strukturierten Darstellung, der Analyse kann man sich nicht im Internet anlesen, sondern ist ein Ergebnis einer lernenden Auseinandersetzung – vor der Klausur. Deshalb sehe ich die Gefahr, dass nur aus dem Internet abgeschrieben wird, als nicht sehr groß an.

Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass Schüler ihren Aufwand, eine Klausur vorzubereiten, verringern könnten, wenn sie die Möglichkeit der Internet-Nutzung während der Klausur haben. Es könnte ihnen suggerieren, alles im Internet nachsehen zu können. Aber auch das wird ein wichtiger Lernschritt sein, zu erkennen, dass dieses so nicht funktioniert.

Somit ist für mich bis hierher das Fazit, dass eine Klausur am Computer nicht automatisch bessere Ergebnisse bringt, aber im Aspekt „Struktur“ und „Begrifflichkeit“ Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Ich werde jetzt noch einen Schülerfragebogen entwerfen und die Schüler nach ihrem Feedback fragen. Und ich werde die organisatorischen Rahmenbedingungen für eine Klausur am Computer näher beleuchten. Dazu in einem späteren Aritikel mehr.

Hier der Fragebogen für die Schüler

Fragebogen Klausur Computer

Rückmeldeformate

Auf dem letzten edchat.de wurde über Rückmeldeformate diskutiert. Ich stelle jetzt wie versprochen von mir erstellte Rückmeldebögen zur Verfügung. Ich hoffe, dass inspirieren und anregen. Über eine Rückmeldung wäre ich natürlich sehr dankbar.

Rück Grafikerstellung KompRast mündliche Beiträge KR Selbststeuerung GES Rückmeldung Kartenerstellung Rückmeldung Podiumsdiskussion Rück Raumanalyse Plattentektonik Rück FachtexteGeo Stellungnehmen Checkliste Bewertung_PGW Rück Forschungsarbeit Geo11 Rück Semesterprojekt 3 Vers.3 Rückmeldung AnalysfähigkeitFeedback PGW PGW Kompetenzen

„Sag ihnen, was sie können“

Lehrer geben Noten, hunderte, tausende; Noten scheinen unzertrennbar mit der Schule verwachsen zu sein. Tägliches Ranking, dauernder Vergleich, Bundesligatabelle. Lehrer sind gerecht, wenn es gute Noten gibt und ungerecht bei schlechten. Bei Versuchen, Noten durch Kompetenzrückmeldungen zu ersetzen, gibt es oft Proteste von den Eltern, und viele Schüler wollen nach der Grundschule endlich „richtige“ Noten.

Ich glaube dass sich alle Lehrpersonen einig sind, dass man Schüler fördern und unterstützen soll. Am besten geht das unzweifelhaft, wenn man ihnen sagt, was sie können. Aber kann man das mit Noten ausdrücken? Da bekommt man von Schülern nur die Auskunft: „Ich bin schlecht in Mathe, aber ganz gut in Englisch“. Das wars.

Wie kann man es etwas differenzierter hinkrieben? Ich versuche seit einiger Zeit mit Rückmeldskalen zu arbeiten. Dabei wird eine Aussage zu einer Teilkompetenz formuliert und dann auf einer Skala der erreichte Grad eingetragen. Das können dann 10er Skalen sein, Prozentskalen oder eben auch Notenskalen. Es ergibt sich dadurch ein grafisches Bild einer Kompetenz. Je weiter rechts das Kreuz, desto besser wird die Kompetenz erfüllt. Z.B. „Du hast alle sachlich wichtigen Teile in deinem Text erfasst“: Skalenstufe 8 von 10; und „Du hast deinen Text gut und sinnvoll strukturiert“: Skalenstufe 4 von 10. Dann kann man gleich sehen, dass die Stärke im inhaltlichen Erfassen liegt, aber auf die Strukturierung eines Textes noch geachtet werden muss.

Ich sehe dieses Verfahren als einen pragmatischen Beitrag zur Kompetenzdebatte und vielleicht einen dem Schulalltag angepassten Weg für eine komptenzorientierte Rückmeldung, ohne in grundsätzliche Diskussionen zu genen.

Hier einige Beispiele für Rückmeldeskalen:
Rück FachtexteGeo
Rück Raumanalyse Plattentektonik
Rückmeldung Kartenerstellung
Rück Grafikerstellung
Rückmeldebogen Semesterprojekt
KR Selbststeuerung GES
KompRast mündliche Beiträge