Zeitgemäßes Lernen in der Praxis

Das „Guten Morgen“ kommt erst nach zehn Minuten. Manchmal dauert es auch 15 Minuten, bis alle arbeitsbereit sind. In dieser Zeit schalte ich Beamer und Computer an, stelle die Ablagekörbe mit den Tischblättern und den Versuchsbeschreibungen auf den Tisch, pinne die Listen mit den erledigten Aufgaben sowie die Feedbackbögen zu mündlicher Mitarbeit und zur Selbststeuerung des Lernens mit Magneten an die Tafel. Zwischendurch schaue ich in die Liste, wer heute als Assistenten fungieren soll. Sie müssen die Physikbücher, die Tischblätter (1), die Experimentierkästen auf die Gruppentische bringen.

Als der Beamer und der Computer hochgefahren ist, bringe ich den Forschungsplan und den Kursordner in IServ (2) auf die Leinwand. Das Foto des Tafelbildes der letzten Stunde muss ich ebenso noch aufrufen. Ganz nach vorne kommen allerdings zwei banale Sätze: „Was hast du in der letzten Stunde geschafft? Was willst du heute machen?“

Mitten im Organisieren beantworte ich noch Schülerfragen, erkundige mich nach dem Wochenende und stelle die entscheidende Frage: „Worauf wartest du? Willst du nicht mal dein Forschungstagebuch auspacken und aufschlagen?“ Ach ja, da war ja was. Die Stunde beginnt, wenn wir den Physikraum betreten, und nicht erst, wenn ich als Lehrer „Guten Morgen“ sage.

Das Lernen wieder zurück in die Verantwortung der Lernenden geben, ist eine meiner Hauptziele eines zeitgemäßen Lernens. Sie müssen selbst die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, selbst für das eigene Lernen verantwortlich zu sein. Wie soll sonst lebenslanges Lernen möglich sein, wenn nicht mehr ein Lehrer den Takt vorgibt. Nach zehn Jahren Belehrung kein leichtes Unterfangen. Über Jahre sind die Schüler darauf konditioniert worden, das zu tun, was der Lehrende von ihnen verlangt, und zwar in einer unmittelbaren Form für alle: “ Alle schlagen jetzt mal die Seite 275 auf und lesen den Text durch“. Da kann man praktischerweise auch mal bei Tischnachbarn nachfragen. Aber was, wenn später im Leben der Tischnachbar und der Lehrer nicht da ist, weil man sich in einem Onlinekurs selber fortbilden muss?

Deshalb ist meine Hauptmaxime: Das Lernen an die Schüler zurückgeben. Und die zweite Maxime ist: Lass sie nicht alleine.

Die ersten haben immerhin das Lerntagebuch aufgeschlagen und das Datum eingetragen. Wenige haben aufgeschrieben, was sie heute machen wollen. Dafür musste ich sie auf die Checkliste in ihrem Forschungsplan oder auf die Klassenliste an der Tafel hinweisen, auf der der Arbeitsfortschritt vermerkt ist. Jetzt kann ich „Guten Morgen“ sagen. Ich kann zur Einleitung etwas zu unserem Lernstand sagen und mache meistens einen kleinen Input zum aktuellen Thema.

Dann geht das Arbeiten in den einzelnen Tischgruppen los. Die Aufgaben haben die Schüler schon am Anfang des Schuljahres in einem Forschungsplan (3) bekommen. In ihm stehen alle Aufgaben drin, Hinweise zu den Arbeitsformen, Links ins Internet, Hinweise zur Führung des Lerntagebuchs und das Bewertungsraster.

Nur mit dem Lesen tun sich die Schüler schwer. Es ist ja bequemer, wenn sie vom Lehrer direkt instruiert werden. Aber den Gefallen tue ich ihnen nicht. Bei Fragen verweise ich entweder auf den Forschungsplan, weise auf die Buchseiten oder einfach an das Nachdenken. Wer nicht beim Vortrag zugehört hat, kann ein YouTube-Video von mir oder Kollegen anschauen. Das ist nicht beliebt bei den Schülern. Es ist ja viel einfacher, alles in kleinen Häppchen von den Lehrenden präsentiert zu bekommen. Deshalb ist zeitgemäßes Lernen, das auf eigenständiges Handeln, Selbstverantwortung, autonome Wahl der Lernformen, eigenverantwortliches Nutzen des Internets und Problemlösen setzt, auch anstrengend.

Der zentrale Lernnachweis ist das Lerntagebuch. Hier werden alle Aktivitäten des Schülers eingetragen. Es ist höchst individuell. Nur was selbst geschrieben oder gezeichnet wurde, möchte ich sehen. Keine Arbeitsblätter, keine Kopien, keine Lückentexte. Das Lerntagebuch soll aber auch die unterschiedlichen Lernformate widerspiegeln: Zeichnungen, (längere) Texte, Versuchsprotokolle, Tabellen, Grafiken, Messungen, Merksätze, Berechnungen. Jede Woche soll durch einen Eintrag dokumentiert werden. Alle Einträge bekommen eine Einleitung und einen Kommentar mit einem reflexiven Blick.

Bei den traditionellen Tests darf das Lerntagebuch zum Nachschlagen benutzt werden. Dafür sind doch eigentlich Aufzeichnungen da: Wenn man Probleme lösen soll (wie in einem Test), schaut man in seine Notizen. Ich weiß, dass das im Widerspruch zur Überprüfungskultur der meisten Schulen steht. Aber die Veränderung der Überprüfungsformate ist eine wichtige Bedingung für das zeitgemäße Lernen in Zeiten der Digitalität.

Währenddessen gehe ich von Tisch zu Tisch und helfe bei auftretenden Fragen: Wie bedient man das Vielfachmessgerät, wie wird das Amperemeter in den Stromkreis eingebaut, welche Skala brauche ich zum Ablesen. Ich habe Zeit, mit den einzelnen Schülern zu sprechen. Ich merke, dass vom Input am Anfang der Stunde wenig hängen geblieben ist. Auch im Lösen von Problemen sind die Schüler wenig geübt. Sie erwarten von mir sofort die Lösung. Mein Spruch in diesen Situationen: „Ich bin Lehrer und kein Vorsager“; und erläutere ihnen, dass ich sie zum eigenen Denken anregen möchte. „Mach mir einen Lösungsvorschlag, und ich sage dir, ob du auf dem richtigen Weg bist“.

Alle Dokumente habe ich in einem Ordner in unserer Kommunikationsplattform IServ gespeichert. Dort finden sich die Forschungsplan, Fotos von Tafelbildern, Übungstests und Links zu Videos und Leifiphysik. Die Handys gehören auf den Tisch, mit dem Display nach unten. Vom Klingeln zum Klingeln ist das Nutzen der Handys für unterrichtliche Zwecke erlaubt. Dazu gehört Instagram und Whatsapp nicht. Diese Regelung basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Die Schüler fotografieren sich die Versuchsaufbauten ab, um sie in der nächsten Stunde wieder rekonstruieren zu können. Auf jedem Gruppentisch steht ein Macbook, um weitere Infoquellen zu nutzen. An der Wand hängen die QR-Codes der Internetlinks.

Ich gebe den Schülern die Möglichkeit, mit Handy und Macbook zu arbeiten. Die ersten bringen ihre eigenen Tablets mit. Ist das jetzt Digitales Lernen? Das Lerntagebuch wird (noch) mit der Hand geschrieben, ein Schulbuch aus Papier dient zum Nachschlagen. Ein Zeitgemäßes Lernen erweitert die Möglichkeiten der Lernenden im eigenen Handeln. Es gibt ihnen Instrumente an die Hand, ihr Tun selbstständig planen und umsetzen zu können. Dazu gibt es viele internetbasierte Tools, die die Erreichung dieses Zieles erleichtern. Ein zeitgemäßes Lernen verringert die Abhängigkeit vom Lernen und weist somit auch in die Richtung einer Demokratisierung des Lernens. Dazu sind digitale Tools hilfreich, aber sie sind nicht Selbstzweck.

Trotzdem trifft das Lernkonzept bei den Schülern nicht nur auf Gegenliebe. Selbstständiges Lernen ist anstrengend, man muss ja selbst Verantwortung übernehmen.

(1) Tischblätter sind Kopien, die zur Ansicht auf den Gruppentischen liegen. Sie sind mit einem T markiert und werden am Ende der Stunde wieder eingesammelt. Sie verhindern das massenhafte Kopieren und sinnlose Mappenfüllen.

(2) Wir benutzen an unserer Schule die Kommunikationsplattform IServ. Sie ist keine Lernplattform. Hier können nur Ordner gefüllt werden, auf die die Schüler Zugriff haben. Die Schüler haben auch eine eigene Ablagemöglichkeit.

(3) Forschungsplan: Elektrik 10 Forschungsplan 19

Coaching für Schüler_innen

Die Zukunftszenarien sind von einem geprägt: Wir wissen nicht, wohin die Reise geht. Wir wissen nur eines mit Sicherheit: es wird sich viel verändern, mit hoher Geschwindigkeit. 

Wenn man sich nur mal die letzten 10 Jahre anschaut, dann scheint die einzige Konstante die Veränderung zu sein. Wir haben heute flächendeckende Smartphones, das „Handyverbot“ an Schulen scheint zunehmend lächerlich, das Internet ermöglicht viele alltägliche Geschäfte wie Einkaufen, Banking, Fahrkarten kaufen, Steuererklärung machen online, ja sie sind kaum noch offline zu machen. 

Wenn man die Entwicklung der letzten 10 Jahre auf die nächsten 10 Jahre bis 2030 hochrechnet, kann einem schwindelig werden. Aber meine Schüler_innen in der 12. Klasse werden dann erst 26 sein, vielleicht erst am Beginn ihrer Berufstätigkeit. Ist das, was wir ihnen jetzt in der Schule mitgeben, das was sie dann in zehn Jahren gebrauchen können? Der Bildungsplan, mit dem wir in der Oberstufe in Hamburg arbeiten ist von 2009, also fast von vor der iPhone-Zeit. Die Frage lässt sich sicherlich leicht beantworten: Nein, das was wir im Moment im Fachunterricht machen, kann 2030 wenig helfen. 

Aber was dann? Die ernüchternde Antwort ist aus meiner Sicht: Wir wissen es nicht! Wir wissen nur eines sicher, dass die Gesellschaft, die Wirtschaft, das Klima sich rasant verändern werden und dass wir viel Energie in die Verteidigung der demokratischen Errungenschaften investieren müssen. 

Sollten wir in der Schule nicht die jungen Leute darauf vorbereiten? Können wir das mit unserem derzeitigen Instrumentarium der Fächer, der Klausuren, der Prüfungen, der Noten leisten? Ich glaube nicht. Das ist ein Instrumentarium aus dem 20. Jahrhundert, in dem es um Belehrung, der Selektion und der Aufnahme von Wissen ging. 

Der Geschichtswissenschaftler Yuval Noah Harari sagt in seinem Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“, dass …

… „Schulen weniger Wert auf technisches Können legen und stattdessen universell anwendbare Lebensfertigkeiten in den Mittelpunkt rücken (sollten). Am allerwichtigsten wird die Fähigkeit sein, mit Veränderung umzugehen, neue Dinge zu lernen und in unvertrauten Situationen das seelische Gleichgewicht zu wahren. Wollen wir mit der Welt des Jahres 2050 Schritt halten, müssen wir nicht nur neue Ideen und Produkte erfinden – wir müssen vor allem uns selbst immer wieder neu erfinden.“

Was bedeutet das für uns an den Schulen? 

mit Veränderung umgehen“ scheint mir der Schlüsselbegriff zu sein. Müssten wir nicht den jungen Leuten ein Instrumentarium an die Hand geben, wie sich mit rasanter Veränderung umgehen können? Wie sie sich mehrfach im Leben selbst neu erfinden können? Das steht natürlich im Gegensatz zu jeder Lehrer_innen-Biografie, denn wenn jemand Lehrer geworden ist, wird er/sie das wahrscheinlich bis zur Pensionierung weiter tun. Das wird aber in anderen gesellschaftlichen Bereichen nicht so sein. Das wird es schwer machen, bei meinen Lehrerkolleg_innen Verständnis für diese Erkenntnis zu gewinnen, wenn die persönliche Erfahrung anders aussieht. 

Aber ich glaube trotzdem, dass wir die jungen Menschen fit machen müssen für die Zukunft in Veränderung. Wir könnten ihnen ein Handwerkszeug an die Hand geben, dass sie wissen, was auf sie zukommen könnte und wie sie damit umgehen könnten. Wieder Harari: 

„Am allerwichtigsten wird die Fähigkeit sein, mit Veränderung umzugehen, neue Dinge zu lernen und in unvertrauten Situationen das seelische Gleichgewicht zu wahren“

Sollten nicht alle Schüler_innen ein Coaching durchlaufen, dass ihnen diese Fähigkeiten nahe bringt? 

„Wie soll man leben in einer Welt, in der umfassende Ungewissheit kein Fehler, sondern ein Grundmerkmal ist? Wer in einer solchen Welt überleben und gedeihen will, braucht eine Menge an geistiger Flexibilität und große Reserven an emotionaler Ausgeglichenheit“

Diese Fähigkeiten sollten wir unseren Schüler_innen in der Schule mitgeben. Ich werde versuchen, in den nächsten Wochen eine Skizze für ein Coaching für Schüler_innen zu entwerfen. 

Das Beitragsfoto habe ich in Sukhothai in Thailand aufgenommen.

Lernen organisieren mit MeisterTask

Am Anfang des Schuljahres war die von mir in meinen Lerngruppen benutzte Lernplattform abhanden gekommen. Die Schule unterstützte die Nutzung nicht mehr. Ich war dadurch auf der Suche nach etwas neuem.

Für ein zeitgemäßes Lernen braucht man aus meiner Sicht eine Lernplattform, auf der man das Lernen für die Lerngruppe organisiert, auf die alle Lernende zugreifen können und einen individuellen Zugang zum Lernen bietet. Sie sollte mehr sein als eine einfache Dateiablage. An meiner Schule arbeiten wir mir iServ, was eine gute Kommunikation und eine Dateiablage bietet. Aber zu einer Lernplattform eignet sich eigentlich nicht.

Vor einigen Jahren habe ich einen Schülerkongress mit Trello organisiert, die Schüler_innen haben die Projektplattform gut angenommen und selbstständig ihr Projekt organisiert (siehe Beitrag von mir weiter unten). Doch Trello steht in den USA und entzieht sich dem europäischen Datenschutzrecht. Ich bin auf MeisterTask gestoßen, ebenfalls ein Projektplanungtool, das seine Server in Frankfurt stehen hat. Also habe ich in meinem Projektkurs in der Klasse 12 MeisterTask ausprobiert.

meistertask

Das Board ist Aufgebaut wie ein SCRUM-Board mit vorgefertigten Spalten offen, in Arbeit und Erledigt. Man eigene weitere Spalten hinzufügen. Jede Aufgabe bekommt eine Karte, auf der die notiert wird. Auf dieser Karte werden dann Beschreibungen, Checklisten und Dokumente hinterlegt, die für die Aufgabe nötig sind.

meistertask Aufgabe.

Nach etwas Eingewöhnung haben die Schüler_innen das Board gut angenommen. Gut ist, dass das Tool eine App hat, mit der man vom Smartphone und iPad arbeiten kann. Alle Lernaktivitäten kann ich jetzt von jedem beliebigen Ort aus vorbereiten und organisieren. Viele Lernende, die mit iPads arbeiten, geben ihre Aufgaben über das Board ab. Dafür habe ich die Spalte Abgabe eingerichtet. Es ist auch sehr wünschenswert, dass alle Lernende sehen, was ihre Mitschüler_innen gemacht haben.

Für die Projektarbeit habe ich weitere Spalten eingerichtet. Jede Projektgruppe hat eine eigene Spalte, in der sie ihre Aufgaben organisiert. Jeder kann alles sehen, und ich kann den Projektfortschritt für jede Gruppe übersehen und über die Kommentarfunktion weitere Tipps geben. In diesem Projekt arbeiten wir an der Untersuchung der Lebensbedingungen in Hamburger Stadtteilen. Bildschirmfoto 2019-09-19 um 16.10.09

Man kann jede Aufgabe einem Lernenden zuordnen. Leider ist die Zuordnung zu mehreren Schüler_innen nicht möglich. Jede_r Nutzer_in hat ein persönliches Board, auf dem er/sie sich die Aufgaben selbst organisieren kann.

MeisterTask ist in der Basisversion kostenlos. Die Pro-Version, die auch eine Teamfunktion enthält, ist dann schon mit 8,25€ pro Monat relativ teuer. Ich arbeite jetzt seit vier Wochen mit MeisterTask und mir scheint es ganz gut geeignet, Lernprojekte in einer Klasse zu organisieren. Wenn ich in den Klassenraum komme, öffne ich zuerst das Board, um in einem Stand up den Stand der Arbeit mit den Schüler_innen zu besprechen.

Ich bin gespannt auf Erfahrungen anderer Anwender.

Mein Arbeitsplatz heute morgen

08.15 am U-Bahnhof. Telefonnummern austauschen, letzte Instruktionen und Fragen, dann gehen sie in Dreiergruppen los ins Projekt. Ich fahre an die Elbphilharmonie und setze mich mit schönem Blick an meinem Arbeitsplatz. Kontakt habe ich mit meinen Schülern nur über das Smartphone. Projekt Hafen.

Die Schüler des Projektkurses Hamburg#Welt haben ihre Fragelisten in der Tasche und ziehen auf ihre Tour, um eigenständig Informationen zu ihrem Thema zu sammeln. Sie gehen selbstständig in die Museen, Polizeidienststellen oder Behörden. Für die meisten ist diese Freiheit ungewohnt, sind sie doch die direkte Instruktion im Unterricht seit Jahren gewohnt. Sie sind ungeübt darin, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber genau das ist es, was die jungen Leute der 9. Klasse brauchen: das Gefühl der Autonomie, Möglichkeiten eigener Wahl, Verantwortung für das eigene Tun übernehmen.

Wir haben sechs Teams gebildet. Jedes Team bearbeitet eine Route im Hafen und dokumentiert alles Wichtige auf dieser Strecke und erklärt es für Auswärtige. Dazu hat jedes Team noch ein übergreifendes Thema:

  • Globalisierung
  • Berufe im Hafen
  • Geschichte des Hafens
  • Umweltschutz und Elbvertiefung
  • Container

Ziel ist ein gemeinsames eBook zu erstellen. Es soll sich an einem kleinen Reiseführer orientieren. Die Schüler zeigen alles Sehenswerte auf einer Route im Hafen und erklären darüber hinaus noch ein Thema.

Fachlich stehen die Themen Globalisierung, Welthandel, technologischer Wandel, die klassischen Erdkundethemen, auf der Agenda.

Aber im Vordergrund steht das Arbeiten im Projekt: die Schüler können lernen, ihr eigenes Arbeiten zu organisieren, Selbstständigkeit zu entwickeln. Wir Lehrer beklagen ja oft, dass die Schüler zu unselbständig sind, geben ihnen aber selten Gelegenheit, diese Selbstständigkeit zu entwickeln. Dazu müssen wir aber eigene Gewohnheiten von Effizienz und Strukturiertheit hinten anstellen. Wir müssen es aushalten, dass Schüler nicht so strukturiert und effizient sind, wir ein professioneller Unterricht. Aber genau den Weg der Erfahrung müssen sie ja gehen.

„Erfahrungen machen“ ist eine seltene Kategorie in der schulischen Bildung. Es geht eher um Wissen, Können, manchmal schon um Kompetenzen. Erfahrungen beinhalten auch Umwege, Fehler, Scheitern, Überraschungen, Probleme. Aber auch neue Perspektiven, Erkenntnisse, Selbstwirksamkeit. Erfahrungen sind das, was uns weiterbringt. Bei Bewerbungsgesprächen wird ja meistens nach den Erfahrungen gefragt und nicht nach Wissen.

Trotzdem spielen Erfahrungen im schulischen Lernen noch eine untergeordnete Rolle. Das möchte ich mit dem Projektkurs ändern. Dabei muss ich es selbst aushalten, wenn das Schülerhandeln nicht so effektiv ist wie in einem linearen, kursartigen Unterricht. Ich muss es aushalten, wenn die Schüler_innen ihre Freiheit ausnutzen, um andere Dinge zu machen. Aber die Erfahrung, dann mit den Aufgaben nicht richtig voranzukommen, gehört zu den Erfahrungen auch dazu.

11 Uhr, mein Handy klingelt. Die Gruppe „Umweltschutz“ meldet sich. Der Termin bei der Hamburg Port Authority ist beendet. Eine Stunde lang haben sich die Jungen von einer Ingenieurin über die Landstromanbindung für Kreuzfahrtschiffe und die Elbvertiefung informieren lassen. Im Projekt kommen die Informationen möglichst nicht von mir als Lehrer, sondern von „realen“ Experten. Auch das ist eine ganz neue Erfahrung für die Schüler_innen.

Back to school…

Das Sabbatjahr ist zu Ende. Ich gehe wieder zur Schule. Dieses Bild von pixabay.com habe ich auf meiner Asienreise leider nicht gesehen, aber es ist so schön, dass ich es hier einfüge.

Das Schuljahr fing chaotisch an, kein Stundenplan, keine Kurslisten, verkehrte Räume, kein Wifi, kein Server, ausgefallen.

Dieser kleine Tweet hat mir jedoch viel Mitgefühl eingebracht, und viele neue Follower. Mehr, als es je ein Beitrag geschafft hat. Das lässt mich doch aufhorchen. Wenn etwas nicht klappt, bekommt man viel Aufmerksamkeit. Das scheint hier im Netz genauso zu sein wie im Lehrerzimmer. Ist das eine Lehrer-Marotte?

Vor einigen Jahren habe ich mit einem Kollegen ein kleines „Hidden theatre“ im Lehrerzimmer aufgeführt. An einem Tag sind wir gemeinsam in die große Pause ins Lehrerzimmer gekommen und haben uns lautstark über die chaotischen Schüler, ihre Faulheit, Renitenz, Frechheit und was man sich sonst noch so alles ausmalen kann, beschwert. Wir haben spontan viel Zuspruch, Unterstützung und Mitleid von den KollegInnen bekommen.

Am nächsten Tag sind wir wieder gemeinsam ins Lehrerzimmer gekommen und haben uns lautstark über eine super Stunde, lernbegeisterte Schüler, funktionierende Lernkonzepte, spaßige Beziehungen ausgetauscht. Reaktion? Keine! Ignoranz! Null! Es scheint: das will keiner hören.

Sind LehrerInnen immer defizitorientiert? Ich will es eigentlich nicht glauben. Wie sind eure Erfahrungen? Ich muss leider sagen, dass auch sonst im Alltag als Lehrer der negative Blick mehr Aufmerksamkeit bekommt als der Blick auf das Gelingende. Wer von tollen Stunden berichtet, wird eher beargwöhnt als interessiert befragt, was das Geheimrezept sei.

Dabei sollte man als Lehrende doch „ins Gelingen verliebt sein“ ….

Push – Für das Grundrecht auf Wohnen

Wir Geografen beschäftigen uns auch mit Stadtentwicklung. In der Oberstufe wird ein ganzes Semester der Stadtgeografie gewidmet. Dazu habe ich auch schon in älteren Artikeln etwas geschrieben.

Aus diesem Interesse bin ich gestern ins Kino gegangen, um den neuen Dokumentarfilm von Fredrik Gertten, Push, anzusehen. Der Film beschäftigt sich mit den weltweit rasant ansteigenden Mietpreisen in den Metropolen. Die Kamera begleitet Leilani Farha, die Sonderberichterstatterin der UN für Menschenrecht auf Wohnen. Sie reist um die ganze Welt, um zu erforschen, wie Menschen aus den angestammten Wohnquartieren in ihren Städten gedrängt, gepusht, werden. Das von uns Geografen gelehrtes Modell der Gentrifizierung scheint diesen Entwicklungen nicht mehr gerecht zu werden, sagt die Soziologin Saskia Sassen. Immobilien sind seit der Immobilien- und Bankenkrise in dem ersten Jahrzehnt der 2000er zur Handels- und Spekulationsware geworden und nicht selten Objekte, um Schwarzgelder zu verstecken.

Mich hat der Film begeistert und ich empfehle jedem, den Globalisierung, Stadtentwicklung oder auch nur die Unzufriedenheit der Menschen interessiert, ihn sich anzuschauen.

Website Push

ttt, titel-thesen-tempramente

Lange nix geschrieben …

Der letzte Beitrag hier ist jetzt schon fast ein Jahr her. Ich habe ein Jahr schulische Pause gemacht, war viel auf Reisen und habe darüber auf dem Blog http://www.geografunterwegs.wordpress.com geschrieben. Jetzt bin ich wieder in Hamburg steige langsam wieder in das Bildungsgeschäft ein.

Als Politik- und Gesellschafts-Lehrer habe mich jahrelang um die politische Bildung an den Schulen gekümmert. Dabei ist natürlich die Ausgewogenheit und der Meinungspluralismus mir sehr wichtig. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Lernenden für politische Themen zu interessieren. Aber ich habe gemerkt, dass man in diesen Zeiten auch selber Position beziehen muss. Lange habe ich mich geziert, einer Partei beizutreten, weil ich befürchtete, von den Parteimeinungen vereinnahmt zu werden. Aber in Zeiten des Rechtspopulismus halte ich es für nötiger denn je, eine Position zu vertreten. Deshalb bin ich im letzten Jahr den GRÜNEN beigetreten. Und deshalb möchte ich auch hier mal Wahlwerbung machen für die Europawahl nächsten Sonntag:

Trailer für Europa

Aber das wichtigste ist: Wählen gehen!

Schnack mit Robert Habeck…

…und Lena Sophie Müller war auch dabei, als gestern die Grünen zur Diskussion um ihr neues Grundsatzprogramm mit dem Schwerpunkt Digitalisierung in die Hamburger Fabrik luden. Vorwiegend älter Menschen kamen, nur vereinzelt waren bärtige Hipster oder wollmützentragende Jugendvertreter zu sichten. Robert und Lena stellten sich den Fragen aus dem Publikum, die dann doch mehrheitlich eine eher kritische Haltung zur Digitalisierung und der sie gestaltenden Monopolisten deutlich machten.

Für mich waren die folgenden Aussagen die wichtigsten:

  1. Es geht gar nicht in erster Linie um die Digitalisierung. Sie ist erstmal weder gut noch schlecht. Es geht zuerst um die Frage in welcher Gesellschaft wollen wir leben und wie wollen wir zusammen leben. Wollen wir uns mit der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft abfinden, wollen wir die schleichende Entsolidarisierung der Gesellschaft hinnehmen, wollen wir unsere demokratischen Strukturen verteidigen, wollen wir weiter international und global denken? Wenn diese und weitere Fragen geklärt sind, kann man klarer sehen, welchen Nutzen die Digitalisierung für diese wünschenswerte Gesellschaft bringen kann.
  2. Politik muss gestalten und regeln. Wie die Digitalisierung das Leben und die Gesellschaft verändert, darf nicht nur den Marktkräften überlassen bleiben, die im übrigen kaum existieren, da der Digitalisierungsmarkt von Monopolisten beherrscht wird. Daraus folgt, dass die Digitalisierung gestaltet werden muss, auf allen Ebenen der Gesellschaft: in der Politik, in der Schule, in der Wirtschaft,  in den Familien und in den Beziehungen. Lena brachte ein schönes Beispiel: vor der Digitalisierung in ihrer Kindheit wurde es ihr auch verboten, Micky Maus Hefte am Essenstisch zu lesen. Gleiches müsse heute auch für Handys gelten.
  3. Digitalisierung bietet viele Chancen, das Zusammenleben besser zu machen. Sehr lustig fand ich die Anmerkung von Robert, dass seit der Einführung von Dating-Plattformen die Zahl der multi-kulturellen Beziehungen gestiegen sind. Digitalisierung bietet aber auch Gefahren. Und hier gilt es: Abwägen. Das ist gar nichts Neues oder Besonderes. Man lernt es in jedem Politikkurs in der Schule. Das gab es auch schon vor der Digitalisierung. Das Neue ist allerdings, worauf Lena hinwies, dass die Geschwindigkeit der Veränderung immens hoch ist, was die Gesellschaft überfordern könnte.
  4. Die Digitalisierung macht deutlich, dass wir auf die Globalisierung des Handelns noch keine Antwort haben. Die Internetkonzerne zahlen kaum Steuern und beteiligen sich damit kaum am Gemeinwohl und den gemeinschaftlichen Kosten der Gesellschaft. Darüber kann keine noch so innovative Rhetorik von Apple, Google und Co hinwegtäuschen. An der Digitalisierung wird deutlich, dass die Lösung der aktuellen Probleme nicht mit nationalstaatlichen Konzepten, wie von vielen gefordert, gelöst werden können.
  5. Leider wurde kaum über die Bildung gesprochen. Immerhin wurde gesagt, dass die Bildungsinstitutionen den Umgang mit dem Internet und den sozialen Kommunikationsmöglichkeiten, und in Zukunft wohl auch mit dem Internet der Dinge vermitteln müssen. Dabei hilft kein „Handys raus aus der Schule“, sondern das Lernen eines klugen, nützlichen Umgangs mit diesem „Kulturzugangsgerät“. Genauso wie junge Menschen lernen, dass man sich auf die Fußballplatz anders verhalten kann als in der Schule, können sie auch lernen, das Handy in der Schule anders zu nutzen als in der Freizeit.
  6. Zur digitalen Bildung gehört auch, den Blick nicht zu verschließen gegenüber der Gefahr, das digitales Lernen zu einer Spaltung der Gesellschaft führen kann; in einen innovativen, fortschrittlichen und einen, der sich Neuerungen verweigert. Ich beobachte bei meinen vielfältigen Anwendungen digitalen Lernens, dass die Nutzung bei vielen Schülern gut ankommt und Kreativität freisetzt, dass es aber auch einen ganzen Anteil gibt, denen das Einarbeiten in Apps und Anwendungen zu kompliziert ist. Ihnen fehlt die Ausdauer, die Geduld und die Neugier, sich auf das Lernen mit digitalen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Darüber hinaus wird deutlich, dass mit der flächendeckenden Verteilung von Handys die Nutzung eines Computers zu Hause nicht mehr selbstverständlich ist. So sagte mir ein großer Teil meines Projektkurses in der 7. Klasse neulich, dass ein täglicher Blick in ihre Emails auf dem Schulserver für sie viel zu lästig sei.
  7. Wir seien alle noch in der „digitalen Pubertät“ sagte Lena, Jöran zitierend. Wir müssen noch vieles ausprobieren, Irrwege gehen, anecken, was alles eben zur Pubertät dazugehört. Sie gab auch Robert und den Grünen für den Programmbildungsprozess mit auf den Weg, dass die Digitalisierung kein eigenständiger Bereich der Politik sei (wie Sozialpolitik, Außenpolitik usw), sondern immer in allen Politikfeldern mitgedacht werden müsse.

Ferienbeginn: Zeit für eine Rückschau

Anfang Juli: Woche für Woche hat ein weiteres Bundesland Ferien. Ich war heute noch einmal in der Schule in der ersten Ferienwoche, um die letzten Bilder aufzuhängen, die letzten Zettel wegzuschmeißen und die letzten Dateien auf dem Schulserver zu archivieren. Für mich werden die beginnenden Ferien ganz große Ferien, denn ich setze ein Jahr als Sabbat aus, nach 28 Jahren Lehrer ein Jahr des Innehalten und Besinnens auf den nächsten Schritt.

Dieser Zeitpunkt ist eine gute Gelegenheit, Rückschau zu halten, etwas schlaglichtartig auf die Dinge schauen, die mich in Schule und Bildung bewegen. Vielleicht beschäftigt sich ja der eine oder andere Leser ebenfalls mit einer kleinen Bilanz.

Abitur

Ich habe jetzt im Juni den dritten Abiturjahrgang in Folge verabschiedet. In sechs Jahren habe ich in drei Profildurchgängen der Studienstufe 12/13 versucht, eine gute Mischung zwischen formalen Lernen nach Bildungsplan, Förderung der Selbstständigkeit der jungen Leute im Lernen und das Lernen in Projekten hinzubekommen. Für mich war die Kategorie Bildung immer das Wichtigste, eine Haltung, die es den jungen Leuten ermöglicht, an den gesellschaftlichen Diskursen teilzuhaben und die Entwicklungen kritisch zu hinterfragen.

Mit diesem Ansatz bin ich allerdings nicht oft auf große Gegenliebe bei den Schüler_innen gestoßen. Ihr Abimotto „Nichts gerafft, und trotzdem geschafft“ hat mich doch nachdenklich gestimmt. Es machte den Eindruck, dass viele Schüler_innen mit möglichst geringem Aufwand einen möglichst großen Ertrag herausbekommen wollten. Ein Spaß an der Auseinandersetzung mit Themen, eine Freude, eigenständig eine Sache zu erarbeiten, die Freiheit, eigene Schwerpunkte zu setzen, waren selten zu spüren.

In den Projekten konnten die Schüler_innen eigene Schwerpunkte setzten. In den Projekten „Gentrifizierung in Hamburger Stadtteilen“, „Europa-Ausstellung“ und „Schülerkongress“ habe ich die Verantwortung für das Lernen möglichst weitgehend an die Schüler_innen abgegeben. Leider musste ich feststellen, dass Qualität erst mit einem notenbasierten Anforderungsprofil ins Spiel kam. Das hat mich nachdenklich gemacht: Haben wir unsere Schüler_innen in den 12-13 Jahren Schule so unselbstständig gehalten, dass sie kein eignes Gefühl für Qualität entwickeln konnten? Können sie nur auf äußere Anforderungen hin selbstständig lernen? Leider scheint sich diese Tendenz auch an den Unis und Hochschulen fortzusetzen: Der Trend zum formalen Lernen und Bulimi-Lernen. Haben wir den jungen Leuten die Lust am Lernen abgewöhnt? Oder gehen sie nur aus einer ganz satten Gesellschaft hervor, in der es nichts mehr zu entdecken gibt?

Mit diesen Fragen gehe ich in das nächste Jahr.

Trotzdem bleibt die Erkenntnis, dass den jetzigen Abiturient_innen meist nicht zugetraut wurde, das Abitur zu schaffen. Nur wenige hatten eine Gymnasialempfehlung nach der 4. Klasse. Insofern bleibt es ein Erfolg, dass die Stadtteilschule (Gesamtschule) die Bildungsabschlüsse vieler junger Menschen erweitert.

Projekte

Die Überzeugung, dass man in Projekten besser und nachhaltiger lernen kann, hat mich im letzten Schuljahr bei der Entwicklung der Projektkurse mitmachen lassen (die Projektkurse habe ich in einem vorherigen Beitrag beschrieben). Das Jahresprojekt hieß Expeditionen, ein Thema, so dachte ich, dass 7. Klässler doch begeistern muss. Wir haben viele Ausflüge gemacht, Schatzsuchen, Geocaching, Nahverkehrs-Rallyes, haben gezeltet, historische Expeditionen nacherzählt, Erfahrenes in Projektheften aufgeschrieben.

Hier hatte ich es mit 12jährigen zu tun. Aber auch hier scheint mir die größte Herausforderung zu sein, die jungen Menschen für irgendetwas zu begeistern. Ich habe immer wieder versucht herauszufinden, was die Schüler interessieren könnte; der Projektkurs gab mir ja viel mehr Freiheit, nicht dem Curriculum zu folgen. Außer „Schlafen“, „Zocken“, „nach Hause gehen“ kam nicht viel von den Schülern. Auf keinen Fall „etwas lesen“, schon gar nicht „schreiben“ oder „sich anstrengen“. Eine gemeinsame Projektplanung mit den Schülern habe ich nicht hinbekommen.

So sind die materiellen Ergebnisse des Projektkurses aus meiner Sicht auch eher enttäuschend. Aber vielleicht sind meine Ansprüche zu hoch gewesen. Vielleicht sind die Umbauprozesse im Gehirn von Pubertierenden so stark, dass kaum Energie für Projekte übrig blieben. Vielleicht ist die Pubertät auch nicht das Alter, in dem man Begeisterung und Leidenschaft für Dinge aus der Schule entwickelt. Man will sich ja in erster Linie abgrenzen von den Autoritäten, und da ist es egal, was sie anbieten. Vielleicht sollte man doch auf den alten Pädagogik-Denker Hartmut von Hentig hören, der schon vor vielen Jahren empfohlen hat, die Unterrichtszeit in der Pubertät auf täglich zwei Stunden zu begrenzen. Die restliche Zeit sollte man mit verschiedenen Möglichkeiten der Selbsterfahrung füllen.

Erfahrungen machen ist auch Lernen, vielleicht nicht durch einen Test abfragbar, aber trotzdem wichtig. Die wichtigste Erfahrung scheint mir die zu sein, etwas zu können und etwas zu schaffen. Das findet in der Schule viel zu wenig statt. meine Projektkurs-Schüler hatten wenig gute Meinungen von sich selbst. Als ich ihnen am Schuljahresende jedem persönlich sagte, was ich an tollen Qualitäten gesehen habe im Laufe des Schuljahres, waren viele peinlich berührt, einige zogen meine Worte in das Lächerliche.

Was lerne ich daraus? Wertschätzung kommt an unseren Schule viel zu kurz. Erfahrungen machen sollte einen viel größeren Stellenwert bekommen gegenüber dem formalen Lernen.

Digitales Lernen…

… hat mich natürlich auch im letzten Schuljahr umgetrieben. Wir haben eine offizielle Schulentwicklungsgruppe zum Thema ins Leben gerufen und ein schulinternes Curriculum auf den Weg gebracht, das im kommenden Schuljahr erprobt wird.

Darüber hinaus war ich im Projekt „Digitale Unterrichtsbausteine“ der Stabsstelle Digitalisierung der Schulbehörde aktiv, in der Unterrichtssequenzen entwickelt und bereit gestellt werden. Es ist gut, dass das Thema jetzt auch in der Behörde oben auf der Agenda zu stehen scheint. Im September werden auf einer Plattform der TU Harburg die bis dahin erarbeiteten Bausteine der Öffentlichkeit zu Verfügung gestellt. Bemerkenswert ist, dass alle Bausteine „oer“ sind, als offen nutzbar, veränderbar und neu editierbar sind.

Ich war auf den Kongressen „Edunautika“ an der Reformschule Winterhude, auf dem OER-Camp an der Medienschule und auf dem Kongress „Learning Cities“ der Körber-Stiftung aktiv. Auf diesen Veranstaltungen habe ich für mich folgende Tendenzen mitgenommen:

  • die Digitalisierung bietet die Chancen der Dezentralisierung von Lernen. Beeindruckend war das Beispiel aus Finnland, wo in Helsinki das Konzept „learning as a service“ die Lernorte über die Stadt verteilt. Gelernt wird nur noch ausnahmsweise in der Schule, sondern mehr in Bibliotheken, Hochschulen, Betrieben usw.
  • Vernetzung von unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten und Bildungsanbietern scheint mir wichtig. Hier wurde auf der learning cities-Konferenz der Begriff des Digitalen Ökosystems geprägt. Alle Elemente hängen miteinander systemisch zusammen und bedingen sich einander.
  • Es droht eine digitale Klassengesellschaft. Die Anzahl von Computern in vielen Haushalten geht zurück, seit dem man mit dem Handy scheinbar alles machen kann. Die Datenmenge bei Schülerhandys ist oft schnell erschöpft. Daher ist die Forderung nach bring your own device nicht so einfach, wie sie sich vielleicht anhört.

Ich gehe mit vielen Fragen ins Sabbatjahr und bin gespannt, wo ich in einem Jahr lande. Ob ich an meine alte Schule in Niendorf zurückgehe, mir eine neue Schule suche oder vielleicht ganz neue Herausforderungen suche. Ich bin gespannt.

Wer mich im Sabbatjahr begleiten will, kann dies unter https://geografunterwegs.wordpress.com tun.