exitingEDU – Kongress in Berlin am 3/4. Dezember

In der letzten Woche bin ich zum exitingEDU Kongress, organisiert von KlettMINT, nach Berlin gefahren. Der Kongress sollte ein Treffpunkt von Lehrenden sein, die schon mit digitalen Medien im Lernen arbeiten oder sich dafür interessieren. Für mich sind solche Kongresse immer ein Ort der Inspiration und Anregung, sowie der Kommunikation und des Austausches mit anderen, die in die gleiche digitale Richtung denken.

Aber nun zurück in Hamburg, was bleibt für den grauen Alltag in der Schule? Wieder zurück in die Nische, wie Torsten Larbig meint? (http://herrlarbig.de/2015/11/30/die-rufer-in-den-nischen-vorbemerkung-zum-excitingedu-lehrerkongress-am-3-4-12-in-berlin/)

In einem Workshop stellte Sebastian Schmidt sein Konzept des flipped classroom vor. Die Erfahrungen von Sebastian kommen aus dem Fach Mathematik (http://www.flippedmathe.de). Bei diesem Konzept sehen die Lernenden zu Hause ein Erklärvideo, die Übungphase wird dann in den Klassenraum verlegt, und der Lehrende hat viel Zeit, den SchülerInnen beim bearbeiten von Übungsaufgaben zu helfen. Ich könnte mir vorstellen, dieses Konzept auch auf meine gesellschaftswissenschaftlichen Fächer auszudehen. Außerdem gibt es viele Erklärvideos im Internet, die auch zu benutzen sind.

Dietmar Kück von der Stadtteilschule Oldenfelde in Hamburg erläuterte, wie man schülereigene Geräte in den Unterricht integriert. Die Schule führt ein BYOD bringyourowndevice Projekt  durch. Dabei haben die Lernenden ein eigenes digitales Gerät, das über W-LAN in das Schulnetzwerk eingebunden wird. Bei mir an der Stadtteilschule Niendorf haben wir eine gute Ausstattung mit eigenen MacBooks, aber trotzdem möchte ich meine SchülerInnen ermutigen, auch eigene Geräte mitzubringen. Sie haben dann eine gewohnte persönliche Arbeitsumgebung, die das Lernen sicher effizienter macht. (http://www.schulbyod.de)

Sehr anregend fand ich den Workshop von Monika Heusinger aus Saarbrücken, die die Möglichkeiten kooperativen und kolaborativen Lernens vorstellte. Sie zeigte viele Möglichkeiten, wie Lernende mit digitalen Tools gemeinsam arbeiten und Lernprodukte herstellen können. Sie widersprach damit der häufig geäußerten Kritik, dass digitale Medien zu einem vereinzelnden Lernen oder sogar zum „digitalen Autismus“ führt. Ich möchte nach diesen Anregungen mit meinen SchülerInnen das kollaborative Schreiben ausprobieren, gemeinsam einen „perfekten“ Text zur Analyse eines politischen Problems erstellen. (http://monika-heusinger.info/content/02-blog/76-excitingedu/ws.pdf)

Mehrere LehrerInnen aus Hamburg waren zum exitingEDU Kongress gekommen. Wir werden uns jetzt über den Twitter hashtag „#digihh“ vernetzen und uns Anfang nächsten Jahres auch ganz analog treffen.

Es warten also viele neue Aufgaben auf mich. Also die Ärmel aufkrempeln und los…

Lernstationen Geschichte: Vom Kriegsende bis zur Gründung zweier Deutscher Staaten

Ich möchte heute meine Lernstationen für den Jahrgang 10 einer Gesamtschule hier als OER zur Verfügung stellen.

Die Stationen können die SchülerInnen selbständig bearbeiten. Sie benötigen aber z.T. auch einen Computer und Internetanschluss. Die Lehrperson kann sich voll auf die individuelle Unterstützung bei der Arbeit konzentrieren sowie auch Diskussionen zum Thema anregen.

Ich habe parallel ein Wiki geführt, in dem die wesentlichen Inhalte festgehalten wurden.

Über Rückmeldung würde ich mich freuen.

Gründung 2er dt. Staaten Stationen

Gesellschaftstheorien

Mit dem angekündigten OER-Festival im Februar kommt wieder etwas mehr Dynamik in die OER-Diskussion.

http://open-educational-resources.de/16/

Im Zuge dessen möchte ich hier meine letzten Lernpläne veröffentlichen und zur Verfügung stellen, zur Ergänzung, Kritik, Weiterverwendung und gerne auch zur konstruktiven Resonanz. Die hier hochgeladenen Pläne beziehen sich auf das Thema „Gesellschaftstheorien“, das 2016 in Hamburg Abiturthema im Fach Politik-Gesellschaft-Wirtschaft ist (vielleicht auch in anderen Bundesländern).

Ich versuche meinen Schülern immer wieder deutlich zu machen, dass ein Lernen mit den Lernplänen auch ohne meine Anwesenheit als Lehrer im Klassenraum möglich sein sollte. Es ist ja eigentlich mein Ziel, mich überflüssig zu machen. Abitur bedeutet ja Studierfähigkeit, die ein hohes Maß an Selbstlernkompetenz beinhalten sollte.

Die Materialbezüge sind natürlich auf das gängige Schulbuch in Hamburg bezogen („Sozialkunde“), ich glaube aber, dass sich ähnliche Texte in allen Schulbüchern der Länder wiederfinden. Vielfach habe ich ja auch auf Zeitungstexte, die im Internet verfügbar sind, zurückgegriffen.

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

AP1 Begriffe AP2+3 Statistiken AP8 Strukturwandel AP7 Erlebnisgesellschaft AP6 Risikogesellschaft AP5 Ende des Sozialstaats?l AP3 Soziale Ungleichheit

MOOCs in der Schule?

Die werkstatt.bpb hat in den Sommerwochen sich mit dem Thema „MOOCs“ beschäftigt.

https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/211475/fazit-moocs-und-e-learning-2-0

Ich probiere ja schon seit längeren aus, wie man in der Schule selbstständige Lernformen und selbstwirksameres Lernen fördern kann. Und frage mich auch, ob MOOCs dabei helfen können.

MOOCs kommen ja aus dem universitären Bereich und ermöglichen durch verschiedene Internetressourcen die Teilnahme an Onlinekursen von außerhalb der Universität. Sie sind offen für jeden und verlangen eine hohe Eigenmotivation, um sie durchzuhalten.

Schule scheint das Gegenteil davon zu sein. Schule ist ja gar nicht offen: Die Lernenden sind in Klassen, Stundenpläne, Kurse, Fächer und Inhalte hineingesetzt, ohne selbst etwas bestimmen zu können. Diese Fremdbestimmung prägt die Lernkultur in der Schule. Wie kann man da etwas öffnen?

Vielleicht geben Online-Kurse ja die Möglichkeit, das Lernen in der Schule etwas selbstbestimmter und selbstwirksamer zu machen. Es ist  ja mittlerweile allseits anerkannt, dass sich Können und Wissen nachhaltiger bildet, wenn es selbstbestimmt erarbeitet wurde.

Ich versuche den Lernenden in „Lernplänen“ einen Überblick über ihre Lernmöglichkeiten zur Erarbeitung eines Thema zu geben. LehrerInnen nennen das meist „Unterrichtseinheiten“. Die Lernenden können dann in ihrem eigenen Rhythmus und Tempo die Lernaufgaben bearbeiten, wann und wo sie wollen. Das kann in den Lernstunden in der Schule sein, in den Studienzeiten im Stundenplan, zu Hause oder im Park. Die Lernpläne enthalten Einzelaufgaben, Partner- und Gruppenaufgaben, Puzzleaufgaben und Kreativaufgaben sowie Aufgaben zum Füllen unseres wikis und zu Diskussionen im blog. Mein Job als Lehrender ist es, für die vielfältigen Zugänge und Lernmöglichkeiten zu sorgen, Diskussionen anzuregen, Wiederholungen und Vertiefungen zu organisieren.

Ich arbeite zweigleisig: analog und digital. Die Lernpläne bekommen die SchülerInnen ausgedruckt, sie stehen auch auf der Lernplattform der Klasse. Das erarbeitete Wissen wird im Themenwiki gesammelt und Diskussionen finden im Klassenblog statt. Die Aufgaben aus den Lernplänen werden zu Hause und auch in den Lernstunden in der Schule bearbeitet. Klassische „Hausaufgaben“ erteile ich nicht mehr. Der Schwerpunkt in den Lernstunden in der Schule liegt auf dem Verarbeiten, Diskutieren, Vertiefen sowie auch das Überprüfen der Lerninhalte. Dabei spielen kooperative Lernformen eine große Rolle. Interessant wäre eine Ausweitung der Diskussionen über den Klassenraum hinaus zu anderen SchülerInnen und Schulen.

Meine SchülerInnen springen auf die Möglichkeiten des digitalen Lernens noch nicht so richtig auf. Für sie ist das schön geschriebene Heft mit den eigenen Inhalten wichtiger als eine kollektive Sammlung wie in einem Wiki. Vielleicht ist es das unbewusste Gefühl, was man im eigenen Heft geschrieben hat, besitzt man wirklich selbst. Wahrscheinlich spielt die jahrelange analoge Lernsozialisation auch eine große Rolle. Das digitale Gerät, was alle benutzen, ist das Handy. Damit werden Buchseiten abfotografiert, damit man nicht das schwere Buch mit nach Hause schleppen muss. Wenn es Handy-Apps für meine Wikiseiten gäbe, würden sie sicher mehr genutzt werden.

Wie könnten also die Perspektiven an der Schule aussehen:

  1. Die Lernbausteine einer Unterrichtseinheit werden online zur Verfügung gestellt. Dabei kann man entscheiden, ob sie nur der eigenen Lerngruppe, der Schule oder im www verfügbar ist.
  2. Der Kurs hat einen Anfang und ein Ende. Er wird durch die Lernperson begleitet, kann aber auch nach den Kursterminen selbstständig wiederholt werden. Das kann für Lernende, die krank sind, wichtig sein. Aber auch für SchülerInnen, die mal einen „Hänger“ haben, gibt es die Möglichkeit, Inhalte nachzuarbeiten.
  3. Man kann andere Klassen der eigenen oder anderer Schulen zu Diskussionen einladen. Diese Diskussionen können über einen Blog geführt werden und müssen nicht unbedingt in Echtzeit stattfinden.
  4. Es werden Zwischentests und andere Lernnachweise erstellt.

Mein Fazit bis hierher:

Elemente aus MOOCs könnten das schulische Lernen ergänzen und bereichern:

  • Das Öffnen, d.h. das zur Verfügungstellen aller Lernmaterialien und Aufgaben online. Ein „ich habe das Arbeitsblatt nicht gekriegt“ gehört der Vergangenheit an. Das gibt den SchülerInnen auch mehr Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess.
  • Das Online Arbeiten ist eine Ergänzung und Erweiterung der Möglichkeiten des klassischen analogen Lernens im Klassenraum. Das gibt besonders SchülerInnen, die sich ungern an Klassengesprächen beteiligen, einen Teilnahmekanal.
  • Die Demokratisierung: Durch das Onlinestellen aller Lernmaterialien verringert sich die Abhängigkeit der SchülerInnen von der jeweiligen Lehrperson. Trotzdem bleibt die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden ein wichtiger Faktor für erfolgreiches Lernen. Monika Heusinger weist auf die Bedeutung der Lernautonomie hin.

Ich freue mich auf spannende Diskussionen

Hier noch einige weiterführende Links:
bit.ly/moocis13 Hashtag: #MOOCiS http://monika-heusinger.info/blog/moocs

Europaprojekt

Back to school. Während die südlichen Bundesländern noch im Ferienmodus schlummern, sind wir im Norden wieder zurück in den Schulräumen.

Meine Begeisterung für Projekte möchte ich gleich am Schuljahresanfang ausleben: mit einem Europaprojekt. Nur acht Monate vor dem Eintritt in die Prüfungsphase des Abiturs im Jahrgang 13 ist es vielleicht gewagt, nicht alle Zeitressourcen auf die Prüfungsvorbereitung zu legen. Aber für mich liegt darin der Reiz, ein Projekt zu gestalten, dass einerseits die Freiheit beinhaltet, die Schwerpunkte selbst zu legen, auf der anderen Seite auch Bildungsplanthemen mit abzudecken.

Es geht bei diesem Projekt darum, die Lebensbedingungen von jungen Menschen in Europa zu erkunden. Dabei wählen sich die SchülerInnen zwei europäische Länder aus und vergleichen die Lebensbedingungen. Wir erhalten so in der Klasse einen kleinen Überblick über die verschiedenen Länder Europas.

Folgende Kompetenzen können die SchülerInnen anwenden und üben:

  • eine sozialwissenschaftliche Analyse nach Kriterien durchführen
  • Ergebnisse dieser Analyse vergleichen anhand zweier Länder
  • Kartenerstellung
  • Szenarien erstellen

Das Projekt soll in einem Science Café münden, in dem die Ergebnisse mir externen Experten diskutiert werden. Dabei können die SchülerInnen lernen, eine eigene Veranstaltung zu planen und durchzuführen (http://juniorsciencecafe.de/).

Vielleicht gibt die Projektausschreibung Anregungen für eigenen Projekte.

Guten Schuljahrs-Start

Europaprojekt Auftragsblatt

Globale Probleme: Der Hunger in der Welt

Ich habe mich mit meinen SchülerInnen er 12. Klasse im Fach Geografie im letzten Semester mit dem Problem des Hungers in der Welt auseinandergesetzt. Ich habe mich an dem Unterrichtskonzept „Globales Lernen – Hunger durch Wohlstand“ orientiert. (Download hier: http://www.globales-lernen.de/).

Ich möchte hier meine Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellen, damit andere damit weiter arbeiten können. Die von mir erstellten Dateien (mit meinem Namen in der Fußzeile) stehen unter der CC Lizenz 3 SA -BY und können damit weiterverwendet und verändert werden. Bei den anderen Dateien muss die Copyright Regelung einzeln geprüft werden.

Ich habe die Ebenen:

  • Was ist Hunger, Definitionen
  • Wie schlimm ist der Hunger, Statistiken und Diagramme, Welthungerindex
  • Ursachen für Hunger, exemplarisch: Biosprit, Fleischkonsum und Klimawandel
  • Was kann man gegen den Hunger tun?
  • eigene Kartografie
  • Film „We feed the world“ von Erwin Wagendörfer (http://www.we-feed-the-world.at/)

bearbeitet. Am Ende haben wir in unserer Fußgängerzone einen Vormittag lang einen Inforstand aufgebaut, in der die SchüerInnen versuchen sollten, mit Passanten ins Gespräch zu kommen.

Ich wünsche viel Erfolg bei eigenen Lernvorhaben.

Wiki: http://www.schulcommsy.de/wikis/276082/4466859/Main/GlobaleProbleme

2015_Brennpunkt_Baumwolle_Textilherstellung_WHH_Schoeninger Brennpunkt_Nr.28__Biokraftstoff Hunger-Factsheet-Welthungerhilfe-2014 Inforstand Hunger in der Welt Neue Strategien gegen Hunger und Unterernährung | Hunger im Überfluss | Aktuell | fluter.de Organisationen gegen den Hunger Thesen zur Bekämpfung des Hungers Ursachen Hunger AGs Welthunger-Index_2014_web Welthungerindex Wirkungsgeflecht Hunger Klausur Hunger 15

Teilst du schon, oder …? Digitales Lernen im Politikunterricht

Am 24. Juni fand in Berlin ein Netzwerktreffen der werkstatt.bpb zum Thema „Kultur des Teilens“ im politischen Lernen statt. Es wurde der Frage nachgegangen, mit welchen Aktionen das digitale Arbeiten unter Lehrern und politischen Bildungsstätten gefördert werden kann und wie es erreicht werden kann, eine Kultur des Teilens zu etablieren. Und was wird gebraucht, damit sich eine Kultur des Teilens entwickeln kann?

Das digitale Arbeiten erleichtert das Austauschen von Bildungsmaterialien, von Arbeitsblättern, Aufgabenformulierungen, Übungen, Überprüfungstests usw. Daraus müsste sich doch ein großer kreativer Mehrwert ergeben, ein Push an vielfältigen Anregungen und Impulsen? Eine Weiterentwicklung des eigenen pädagogischen Handelns durch neue unterschiedliche Sichtweisen könnte möglich werden. Und eine Arbeitserleichterung bietet ein breiteres Angebot an freien Bildungsmaterialien.

Warum kommt es in der Praxis nicht dazu – und was müsste man tun, um es zu erreichen.

Die vielen MINT-Initiativen haben es vorgemacht. Viele gute Websites sind entstanden, vielfältige Unterstützungsangebote für Lehrer, unzählige gute Arbeitsmaterialien, Möglichkeiten des Austausches. Durch einen großen Geldeinsatz von Industrie und Staat wurde der Technikmüdigkeit und dem drohenden Facharbeitermangel der Kampf angesagt.

Brauchen wir in der politischen Bildung nicht eine ähnliche Kraftanstrengung? Droht nicht auch bei jungen Leuten eine Politikmüdigkeit? Ist politisches Engagement und Beteiligung in Zeiten der Selbstoptimierung überhaupt noch angesagt? Sind Wahlbeteiligungsquoten von 23% der 16-18jährigen bei der letzten Hamburger Wahl nicht ein Alarmsignal?

Die werkstatt.bpb.de möchte die Entwicklungsmöglichkeiten ausloten, die sich durch das Teilen von Material und Erfahrung im Internet ergeben. Ich hoffe, dass sie den Prozess zu mehr Kooperation moderieren kann. Welche Hemmnisse im Wege stehen, hat Phillipe Wampfler aus der Schweiz im März auf seinem Blog gut dargestellt (http://schulesocialmedia.com/2015/03/29/warum-teilen-lehrkrafte-ihre-materialien-nicht/).

Man sollte immer bei sich selber anfangen. Und so werde ich die letzten Tage des Schuljahres nutzen, die Materialien und Erfahrungen des letzten Schuljahres hier einstellen. Ich werden sie dann mit Edutags mit Schlagworten versehen, so dass sie dort gefunden werden können (http://www.edutags.de). Und ich werde meine Politik und Gesellschafts-KollegInnen auffordern, das gleiche zu tun. Vielleicht ist das ja ein Anfang.

(Das Bild stammt aus der tollen Installation „Gehorsam“ von Sasia Boddeke und Peter Greenaway im Jüdischen Museum in Berlin, wer die Gelegenheit hat, sollte sie dringend anschauen, http://www.jmberlin.de/gehorsam

Lineares versus vernetztes Lernen

In der letzten Woche bin ich mit meinen Schülern, wie schon öfter, an die Schnittstelle von linearem und vernetzten Lernen gestoßen. Ich sehe als eines der Chancen des digitalen Lernens die Möglichkeit, stärker ein vernetztes Lernen zu ermöglichen, da die Lernressourcen dauernd verfügbar sein können. Ich arbeite deshalb mit Arbeitsplänen, auf denen die Lernaufgaben zu einem Themenfeld verzeichnet sind und die die Schüler selbstständig erarbeiten können (ganz analog). Ich achte darauf, dass die Aufgaben eines Arbeitsplanes verschiedene Sichtweisen und Erarbeitungsmöglichkeiten auf den Lerngegenstand enthält. Gleichzeitig stehen die Aufgaben in unserm Lernportal im Internet zur Verfügung. Lernergebnisse werden im wiki zusammengefasst.

Nun beschweren sich die Schüler, dass ihnen dieses Verfahren zu kompliziert sei. Sie wüssten nicht, was sie zuerst machen sollen und was für die nächste Stunde gebraucht werde. Sie forderten, ich solle es wieder wie die anderen Lehrer machen, die allen eine klar definierte Hausaufgabe aufgeben, die am Anfang der nächsten Stunde abgefragt wird.

Darüber nachdenkend erkenne ich, wie starkt die Schüler noch in der linearen Lernkultur (wie ich sie auch im Referendariat gelernt habe) mit „Problemaufriss > Erarbeitung > Sicherung > Hausaufgabe“ für alle im gleichen Zeitschritt verhaftet sind. Problemlösendes, vernetztes Denken? Gar nicht erwünscht. „Sagen Sie uns doch einfach, was wir lernen sollen, dann machen wir das!“, höre ich von meinen Schülern.

Schüler können nicht besser sein als ihre Schule. Wenn sie 10, 12 Jahre in eine Institution gegangen sind und in ihr große Teile ihres Lebens verbracht haben, werden sie die Prinzipien dieser Institution verinnerlichen. Wenn Schule lineares Lernen betreibt, werden auch die Schüler lineares Lernen sinnvoll finden. Ich glaube jedoch, dass die Bewältigung von Zukunftsaufgaben ein vernetztes Denken nötig ist, um die Probleme der Zukunft zu bewältigen.

Es braucht also einen langen Atem, Lernen vom linearen Denken hin zum vernetzen Denken zu entwickeln. Dabei ist das Internet sicher hilfreich. Sobald ein Arbeitsauftrag für eine Gruppenarbeit vergeben ist, erstellen die Schüler eine whatsapp-Gruppe. Sie legen also einen Grundstein für eine Vernetzung.

Weiter so.

Klausuren am Computer 2

Ich habe hier vor zwei Wochen berichtet, dass ich eine Politikklausur in der 12. Klasse versuchsweise am Computer schreiben lies. Es war möglich, das Internet und damit auch unser Klassenwiki, in dem die Schüler die Lerninhalte der Einheiten sammeln. Ihnen stand also die gesamte Unterstützungspalette des Internets zur Verfügung. Die Klausur war von der Aufgabenstellung her nicht auf Wissenswiedergabe hin ausgelegt, sondern es waren die Kompetenzbereiche:

  • einen Text mit eigenen Worten strukturiert zusammenfassen
  • Eine pluralistische Demokratietheorie (Text von Karl Popper) mit einer klassischen Theorie (Rousseau) vergleichen
  • Eine Stellungnahme zu den Vorschlägen Poppers, in wie weit sie geeignet sind, das Problem der geringen Wahlbeteiligung zu lösen.

Bei dieser Aufgabenstellung findet man natürlich keine direkt anwendbare Wissensbausteine, die man kopieren könnte. So war sicherlich die Zugriffsmöglichkeit auf das klasseneigene Wiki inhaltlich die größte Hilfe.

Ich habe jetzt die Schüler mit einem Fragebogen zu ihrem Eindruck dieser Form der Leistungsüberprüfung befragt. Überraschend war, dass die Gesamteinschätzung sehr verteilt war, von „super“ bis „mangelhaft“. Die Hälfte der befragten SchülerInnen (von 18) gab dem Vorhaben die Note „befriedigend“. Hier die Ergebnisse im einzelnen:

Wie bewertest du insgesamt die Möglichkeit, Klausuren mit dem Computer zu schreiben? 1 2 3 4 5 6

2 4 9 2 1

Deutlich positiver wurde die Möglichkeit bewertet, im Klassenwiki zu recherchieren. Einige SchülerInnen meinten, sie würden bei Texten am Computer schneller den Überblick verlieren. Ich hätte eigentlich das Gegenteil vermutet, da ein nachträgliches Umstrukturieren möglich ist, ohne wie in handschriftlichen Texten wild zu streichen und mit Anhängen zu arbeiten. Nur 9 SchülerInnen (50%) haben von dieser Umstrukturierungsmöglichkeit gebrauch gemacht.

Auch bei der Frage, ob das Schreiben mit Tastatur leichter ist als mit der Hand, ist die Meinung zweigeteilt. 7 sagten ja, 6 nein, den anderen bedeutete es keinen Unterschied.

Für mich war überraschend, dass trotz Rechtschreibkorrektur und Grammatikhilfe von WORD die Hälfte der SchülerInnen eine schlechte Rechtschreibleistung gezeigt haben. Es waren die gleichen, die auch sonst große Probleme mit der Rechtschreibung haben. Es macht mich etwas ratlos, wenn dabei nicht einmal die Rechtschreibkorrektur hilft. Es haben auch nur 10 SchülerInnen gesagt, dass ihnen die Rechtschreibkorrektur geholfen hat.

Klausuren mit Internetzugang bieten ja auch die Möglichkeit, gezielt Spickzettel zu deponieren und die Klausurvorbereitung dabei zu benutzen. Dabei stellt sich natürlich die Frage nach der Gerechtigkeit (ich glaube zwar, dass wir in der Schule immer eine Scheingerechtigkeit produzieren, aber das ist eine andere Frage). Aber immerhin 6 SchülerInnen (33%) finden das ungerecht.

Für mich ergibt die Schülerbefragung ein gemischtes Ergebnis. Klausuren am Computer mit Internetunterstützung wären nicht der große didaktische Wurf, man müsste den Mehrwert noch mal genauer erforschen. Ich sehe auch die Gefahr, dass sich die Schüler dann weniger auf Klausuren vorbereiten und lernen, weil die Internetmöglichkeit ja suggeriert, man könne alles während der Arbeit nachlesen.

Voraussetzung für ein erfolgreiches Klausurenschreiben am Computer ist sicherlich die Fähigkeit, mit 10 Fingern tippen zu können. Ich denke, das sollte zum Kanon der von der Schule zu vermittelnden Kulturtechniken gehören, um in einer digitalen Gesellschaft gut klarzukommen.